Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)
Region
Europa
Spannungsfeld
Landwirtschaftliche Regionen werden von vielen Akteuren geprägt, die am selben Raum arbeiten und unterschiedlichen Logiken folgen. Ein Betrieb entwickelt seinen Boden, während Absatz oder Verarbeitung fehlen. Förderprogramme unterstützen einzelne Massnahmen, während verbindende Strukturen kaum finanziert werden. Wirkungskapital sucht geeignete Vorhaben, während gute Projekte den Weg zur Finanzierung nicht finden.
Wissen, Kapital und Initiative sind häufig vorhanden. Was fehlt, sind die Verbindungen dazwischen. RARE arbeitet an diesen Übergängen. Der Denkraum schafft einen gemeinsamen Bezugsrahmen, in dem Leistungen sichtbar, Zusammenhänge verständlich und konkrete Entwicklungspfade erprobt werden können.
Status
RARE befindet sich 2026 in der Aufbau- und Erprobungsphase. Sursee-Mittelland bildet den ersten regionalen Entwicklungsraum. Im Umfeld der Neuen Regionalpolitik werden AgriMetrix und Agrardialog zunächst praktisch erprobt.
Parallel entwickelt sich das Netzwerk der Reallabore weiter. Die nächsten Schritte richten sich auf die Verbindung von betrieblicher Entwicklung, Markt, Wissen und Wirkungskapital sowie auf den Transfer in weitere Regionen.

Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)
Ein Denkraum für die Entwicklungsfähigkeit von Landwirtschaft und Region
Ein Landwirtschaftsbetrieb kann vieles richtig machen und trotzdem an einer Schnittstelle scheitern, die er allein kaum beeinflussen kann.
Der Boden entwickelt sich gut, doch für neue Kulturen fehlt der Absatz. Eine Nachfolge wäre möglich, aber Eigentum, Finanzierung und Betriebskonzept finden nicht zusammen. Wirkungskapital sucht sinnvolle Projekte, während viele gute Vorhaben den Weg zur Finanzierung nicht finden.
Solche Situationen haben selten nur eine Ursache. Sie entstehen dort, wo Landwirtschaft, Markt, Finanzierung, Bildung, Wissenschaft und öffentliche Hand aufeinandertreffen.
Hier setzt RARE an.
RARE steht für Architektur resilienter Agrarregionen. Es ist ein Denk- und Ordnungsraum, in dem unterschiedliche Projekte, Menschen und Institutionen ihre Arbeit auf eine gemeinsame regionale Wirklichkeit beziehen können.
Die Fachlichkeit bleibt dort, wo sie hingehört. RARE verbindet die Beziehungen dazwischen.
Die Zukunft eines Hofes entscheidet sich oft ausserhalb seines Hoftors.
Betrieb, Region und System
Landwirtschaft beginnt beim Boden. Was auf einem Betrieb möglich wird, hängt aber auch von Verarbeitung, Absatz, Wissen, Arbeitskräften, Eigentumsverhältnissen, Finanzierung und politischen Rahmenbedingungen ab.
Umgekehrt wirken landwirtschaftliche Entscheidungen auf Wasserhaushalt, Landschaft, Biodiversität, Ernährung und regionale Wertschöpfung zurück. RARE betrachtet diese Beziehungen auf drei Ebenen:
Betrieb, Region und System.
Der Betrieb bleibt der konkrete Ausgangspunkt. Die Region ist der Raum, in dem Beziehungen sichtbar und gestaltbar werden. Auf der Systemebene stellt sich die Frage, welche Strukturen, Instrumente und Regeln Entwicklung erleichtern oder erschweren.
So kann ein Problem auf einem Hof als regionale Aufgabe erkennbar werden. Und eine regionale Erfahrung kann Hinweise darauf geben, wo sich Rahmenbedingungen verändern müssen.
RARE verbindet, was in der Praxis ohnehin zusammenwirkt.
Eine gemeinsame Sprache
Komplexe Zusammenarbeit braucht Verständigung.
Landwirtschaftsbetriebe sprechen über Ertrag, Boden und Arbeitsbelastung. Gemeinden über Regionalentwicklung. Stiftungen über Wirkung. Banken über Risiko und Tragfähigkeit. Unternehmen über Mengen, Qualität und Lieferfähigkeit.
Alle betrachten denselben Raum aus unterschiedlichen Perspektiven. Vereinfacht lässt sich die Architektur deshalb so lesen:
- RARE ist der Denkraum.
- AgriMetrix schafft die gemeinsame Sprache.
- Der Agrardialog bringt diese Sprache ins Gespräch.
AgriMetrix macht ökologische, soziale und ökonomische Leistungen sichtbar. Der Agrardialog verbindet diese Daten mit Erfahrung und Kontext. So können unterschiedliche Akteure gemeinsam erkennen, wo eine Region steht, welche Spannungen bestehen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Man könnte AgriMetrix als eine Art agrarisches Esperanto verstehen. Die gemeinsame Sprache ersetzt die Fachsprachen nicht. Sie schafft eine Verständigungsbasis zwischen ihnen.
Gemeinsame Entwicklung braucht zunächst eine gemeinsame Sprache.
Reallabore
RARE entwickelt sich nicht am Schreibtisch, sondern aus realen Situationen. Die Reallabore bearbeiten unterschiedliche Ausschnitte desselben Zusammenhangs.
Auf Betrieben wie Hof Schwand, Wyler’s Biohof, Hof Neubrunn und dem Rüeggshuser Hof geht es um Boden, Wasser, Agroforst, vielfältige Produktionssysteme, betriebliche Tragfähigkeit, Generationenwechsel und neue Formen landwirtschaftlicher Nutzung.
Ursaat und naturKRAFT bearbeitet die Marktseite. Wenn vielfältigere Landschaften vielfältigere Rohstoffe hervorbringen, braucht es Verarbeitung, Produktentwicklung und verlässliche Absatzwege.
Die REGA LWS setzt dort an, wo Landwirtschaftsbetriebe ihre Zukunft zu verlieren drohen. Sie verbindet Früherkennung, Betriebsentwicklung, Bodenrecht, Finanzierung und Nachfolge.
Ein geplanter Lern- und Entwicklungsort in der Zentralschweiz verbindet Landwirtschaft mit Bildung, Forschung, Verarbeitung und regionaler Entwicklung. Wissen soll dort gemeinsam mit Betrieben und weiteren Partnern unter realen Bedingungen erprobt und angewendet werden.
3BL (Triple Bottom Line) schafft einen Rahmen, um ökologische, soziale und ökonomische Grundlagen gemeinsam in Entscheidungen einzubeziehen. Daraus entsteht auch eine Schnittstelle zu Wirkungskapital.
Der RegioCoin untersucht, wie regionale Kaufkraft, Nachfrage und landwirtschaftliche Leistungen stärker aufeinander bezogen werden können.
AGRIDEA, BFH-HAFL, BBZN und weitere Bildungs-, Forschungs- und Praxispartner öffnen den Raum für Wissensaustausch und gemeinsame Lernprozesse. Netzwerke wie CNAO (Coachingnetz Agrarökologie) helfen dabei, Erfahrungen über einzelne Projekte und Regionen hinaus zugänglich zu machen.
Jedes Reallabor besitzt einen eigenen Zweck. RARE fragt zusätzlich, was daraus für das Ganze gelernt werden kann.
Ein Reallabor bearbeitet einen konkreten Fall. RARE fragt, was dieser Fall für das Ganze lehrt.
Warum die Region?
Der einzelne Landwirtschaftsbetrieb ist für viele dieser Fragen zu klein. Die nationale Ebene ist für ihre konkrete Bearbeitung oft zu weit entfernt. Die Region liegt dazwischen.
Hier werden Warenströme greifbar. Betriebe, Verarbeiter, Gemeinden, Bildungsorte und Unternehmen können Beziehungen aufbauen. Kapital kann konkrete Vorhaben kennenlernen. Entscheidungen werden in ihren Folgen sichtbar.
Eine Region ist gross genug, um Kreisläufe zu bilden, und klein genug, damit Beziehungen tragfähig bleiben.
Deshalb ist sie für RARE die entscheidende Handlungsebene.
Entwicklung und Kapital verbinden
Eine resiliente Agrarregion braucht mehr als gute Projekte. Sie braucht die Fähigkeit, gute Projekte zu erkennen, miteinander zu verbinden und langfristig zu tragen.
Hier greifen AgriMetrix, Agrardialog und 3BL ineinander.
Leistungen werden sichtbar. Die regionale Wirklichkeit wird gemeinsam eingeordnet. Daraus entstehen konkrete Entwicklungsvorhaben.
Manche brauchen Wissen. Andere einen Marktpartner. Manche öffentliche Förderung oder philanthropisches Kapital. Andere ein Darlehen oder Eigenkapital.
Die Frage lautet deshalb nicht zuerst, wo Geld verfügbar ist. Die Frage lautet: Welche Entwicklung soll ermöglicht werden? Und welches Kapital passt zu ihr?
Kapital soll Entwicklung ermöglichen. Die Entwicklung bestimmt, welches Kapital sie braucht.
Sursee-Mittelland als erster Entwicklungsraum
In der Region Sursee-Mittelland wird die Architektur erstmals auf regionaler Ebene zusammengeführt.
Im Umfeld der Neuen Regionalpolitik werden AgriMetrix und Agrardialog zunächst entlang einzelner Betriebszweige erprobt. Landwirtschaftliche Leistungen werden sichtbar gemacht und mit der regionalen Realität verbunden.
Daraus folgt die eigentliche Entwicklungsarbeit: Wo braucht es Verarbeitung, Markt, Wissen oder Finanzierung? Welche bestehenden Projekte können verbunden werden? Wo fehlt ein Baustein?
Sursee-Mittelland ist damit keine Blaupause für andere Regionen. Es ist der erste Raum, in dem die einzelnen Teile als zusammenhängende Architektur erprobt werden.
Parallel entwickeln sich die weiteren Reallabore weiter. Ihre Erfahrungen fliessen zurück in RARE.
Lernen zwischen Regionen
Jede Agrarregion besitzt andere Böden, Betriebe, Märkte, Menschen und Geschichten.
RARE soll deshalb kein fertiges Modell verbreiten.
Übertragbar sind die Architektur, die gemeinsame Sprache und die Fähigkeit, Erfahrungen zu teilen. Die konkrete Entwicklung bleibt regional.
So kann mit der Zeit ein Netzwerk unterschiedlicher Agrarregionen entstehen. Was an einem Ort gelernt wird, wird für andere lesbar, ohne dass es kopiert werden muss.
Resilienz bedeutet dabei keinen fertigen Zustand. Eine resiliente Region kann Veränderungen wahrnehmen, ihre eigenen Ressourcen erkennen und auf neue Bedingungen reagieren.
Dafür braucht es gesunde Böden, wirtschaftlich tragfähige Betriebe, verlässliche Märkte, Wissen, handlungsfähige Institutionen und passendes Kapital.
RARE schafft den Raum, in dem diese Teile zueinander in Beziehung treten können.
Resilienz entsteht regional. Lernen passiert auf einer anderen Ebene.









