Wir sind nicht im System. Wir sind das System.
Themenbereiche
Systeme werden oft als etwas Äusseres beschrieben.
Als Strukturen.
Als Regeln.
Als Mechanismen, die auf uns wirken.
So lässt sich Verantwortung verorten.
Ausserhalb.
— Systeme handeln nicht.
— Menschen tun es.
Wir sprechen vom System, wenn Entscheidungen anonym wirken.
Wenn Verantwortung diffus wird.
Wenn niemand mehr zuständig scheint.
Das System erscheint dann als Akteur.
Als etwas, das zwingt, formt, begrenzt.
Dabei entsteht Distanz.
Und Entlastung.
Wir sind Teil dessen, was wir System nennen.
Nicht als Schuld.
Als Tatsache.
Unsere Entscheidungen.
Unser Schweigen.
Unsere Anpassung.
Alles wirkt.
— Das System beginnt dort, wo wir handeln.
— Oder nicht handeln.
Es ist verführerisch, das System zu kritisieren, ohne sich selbst mitzudenken.
Strukturen werden analysiert.
Mechanismen benannt.
Fehlentwicklungen beschrieben.
Und doch bleibt etwas aussen vor.
Die eigene Beteiligung.
Wir sind nicht das System, weil wir alles bestimmen.
Wir sind es, weil wir darin leben.
Weil wir Rollen einnehmen.
Weil wir Regeln befolgen.
Weil wir Entscheidungen tragen oder weiterreichen.
— Beteiligung ist keine Wahl.
— Sie ist gegeben.
Systeme verändern sich nicht durch Einsicht allein.
Sie verändern sich, wenn sich Verhalten verschiebt.
Wenn an einzelnen Stellen anders entschieden wird.
Oder anders gesprochen.
Oder nicht mehr mitgetragen.
Das ist unspektakulär.
Und wirksam.
Wir sind das System bedeutet nicht, dass alles bei uns liegt.
Es bedeutet, dass nichts ausserhalb liegt.
Verantwortung verteilt sich nicht gleichmässig.
Macht auch nicht.
Und doch beginnt Veränderung dort, wo jemand den eigenen Anteil erkennt.
Nicht als Schuld.
Als Möglichkeit.
— Systeme sind träge.
— Menschen sind beweglich.
Wir sind das System heisst nicht, dass wir Lösungen haben müssen.
Es heisst, dass wir nicht warten können, bis etwas anderes handelt.
Was wir tun, was wir lassen, was wir hinnehmen, schreibt sich ein.
In Abläufe.
In Kulturen.
In Erwartungen.
So entstehen Systeme.
Wir sind das System.
Nicht als Erklärung.
Als Ausgangspunkt.

Kai Isemann
Ich wirke in lebendigen Systemen.
Nicht aus beobachtender Distanz, sondern von innen heraus.
Meine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird.
In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen.
Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich.
Es ist eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus.
Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein.
Es ist wahrgenommen im Geschehen.
Ohne Schuldzuweisung.
Ohne Heilsversprechen.
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