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Ich bin nicht neutral

Neutralität gilt als professionell. Als Zeichen von Sorgfalt. Als Voraussetzung für Urteilskraft.

Ich halte das für eine Illusion.

Ich schreibe nicht über Systeme. Ich schreibe aus ihnen heraus. Nicht, weil mir Distanz fehlt. Sondern weil Distanz oft dazu dient, sich nicht gemeint zu fühlen.

Neutral zu bleiben heisst häufig, die eigene Beteiligung nicht benennen zu müssen. Es heisst, Beobachter zu bleiben, wo Mitwirkung längst stattfindet.

Ich bin Teil der Strukturen, über die ich schreibe. Ich profitiere von ihnen. Ich leide unter ihnen. Ich reproduziere sie, während ich versuche, sie zu verstehen.

Das macht mich nicht glaubwürdiger. Aber ehrlicher.

Ich misstraue Texten, die so tun, als liessen sich Systeme von aussen betrachten. Als gäbe es einen Ort, von dem aus Verantwortung verteilt werden könnte, ohne selbst betroffen zu sein.

Neutralität entlastet. Beteiligung verpflichtet.

Ich schreibe nicht, um Recht zu behalten. Ich schreibe, um meine eigene Verstrickung sichtbar zu halten. Nicht als Bekenntnis. Sondern als Arbeitsgrundlage.

Denn dort, wo niemand sich gemeint fühlt, wirkt Macht am stabilsten.


Kai Isemann

Kai Isemann wirkt in lebendigen Systemen. Nicht aus Distanz. Von innen heraus. Seine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird. In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen. Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich, sondern eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus. Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein, sondern wahrgenommen im Geschehen. Ohne Schuldzuweisung. Ohne Heilsversprechen.


Weitere Impulse aus der Randzone

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