Junior Agroförster:innen
Junior Agroförster:innen
- Feste Kleingruppe mit höchstens fünf Jugendlichen
- Praktische Tätigkeiten und eigene Vorhaben im Agroforst
- Persönlicher Leistungsnachweis nach 20 Teilnahmetagen
Zielgruppe
Jugendliche der Oberstufe, die am Mittwochnachmittag Betreuung benötigen und von einer kleinen Gruppe, persönlicher Ansprache und praktischen Tätigkeiten profitieren können.
Landwirtschaftliche Vorkenntnisse braucht es keine.
Zeit
Mittwoch, 13.00–18.00 Uhr
Ort
Wyler’s Biohof & Waldgarten
Herschärenstrasse 77
8633 Wolfhausen
Kosten 1 x
SFR 98 (inkl. Zvieri)
Kosten 20 x
SFR 1’750 (inkl. Zvieri)

Ein betreuter Mittwochnachmittag für Jugendliche der Oberstufe
Warum es diesen Ort braucht
Unsere Lebens- und Lernwelten sind schneller und dichter geworden.
Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt moderne Gesellschaften als Systeme, die sich durch fortlaufende Beschleunigung, Innovation und Steigerung stabilisieren. Diese Dynamik kann mit den unterschiedlichen zeitlichen Rhythmen eines einzelnen Menschen in Konflikt geraten.
Besonders bei Jugendlichen ist der Druck sichtbar. Eine WHO-Erhebung mit fast 280’000 jungen Menschen aus 44 Ländern und Regionen zeigt steigenden schulischen Druck und eine abnehmende wahrgenommene soziale Unterstützung.
Nicht jeder Jugendliche braucht deshalb mehr Tempo, mehr Training oder mehr Anforderungen. Manche brauchen zunächst einen Ort, an dem wieder etwas zusammenpasst: die Aufgabe, das eigene Tempo, die Menschen und die Umgebung.
Hier beginnt das Junior-Agroförster:innen-Programm.
Ein anderer Rhythmus
Im Waldgarten gibt die Natur einen grossen Teil des Taktes vor.
Ein Baum wächst nicht schneller, weil wir ihn antreiben. Boden braucht Zeit. Früchte werden reif, wenn ihre Zeit gekommen ist. Eine begonnene Arbeit kann eine Woche später weitergeführt werden.
Für Jugendliche entsteht daraus ein überschaubarer Rahmen mit Bewegung und Ruhe, Verantwortung und Freiraum, gemeinsamem Tun und eigenen Vorhaben.
Forschung zu Grünräumen weist bei Jugendlichen auf positive Zusammenhänge mit geringerem Stress, besserer Stimmung und emotionalem Wohlbefinden hin. Natur alleine ist keine Therapie. Sie ist unterstützender Entwicklungsraum.
Hier geht es nicht darum, Jugendliche an eine höhere Geschwindigkeit anzupassen. Es geht darum, einen tragfähigen eigenen Rhythmus zu finden. (Kai Isemann)
Ein Ort, an den man wiederkommt
Im Waldgarten verändert sich jede Woche etwas.
Pflanzen wachsen weiter. Beeren werden reif. Tiere tauchen auf. Eine begonnene Arbeit wartet darauf, fortgesetzt zu werden.
Die Jugendlichen lernen deshalb nicht nur einzelne Tätigkeiten kennen. Sie bauen eine Beziehung zum Ort auf, übernehmen eigene Aufgaben und erleben über die Zeit, was aus ihrer Arbeit entsteht.
Wir säen, pflanzen, pflegen, mulchen, ernten und verarbeiten. Wir beobachten Boden und Wasser, kümmern uns um Pflanzen und Lebensräume und entwickeln kleine eigene Vorhaben.
Landwirtschaftliche Vorkenntnisse braucht es keine.
Ein Lernraum – keine zusätzliche Arbeitskraft
Die Jugendlichen übernehmen sinnvolle Aufgaben und leisten einen sichtbaren Beitrag.
Ihr Lernen und Erleben haben Vorrang vor dem landwirtschaftlichen Arbeitsergebnis. Sie ersetzen keine regulären Arbeitskräfte und werden nicht zur Deckung des Personalbedarfs des Hofes eingeplant.
Auch die Feldräume sind auf das Programm ausgerichtet: überschaubare Arbeitsbereiche, angepasste Abläufe und Möglichkeiten für Rückzug und Pausen.
So verbringen wir den Nachmittag
Ankommen und orientieren: Wir schauen, was im Garten ansteht und wer woran weiterarbeitet.
Entdecken und anpacken: Säen, pflanzen, pflegen, mulchen, ernten, verarbeiten oder Material vorbereiten.
Zvieri und Freiraum: Zeit für Essen, Gespräche, Bewegung, eigene Entdeckungen oder einen ruhigen Moment.
Eigene Vorhaben und Abschluss: Begonnene Projekte weiterführen, Beobachtungen festhalten und gemeinsam aufräumen.
Lernen wird sichtbar
Wer regelmässig teilnimmt, arbeitet über die Zeit an sechs Praxisfeldern:
- Boden und Wasser
- Pflanzen und Pflege
- Biodiversität und Lebensräume
- Ernte und Verarbeitung
- Werkzeug, Sicherheit und Arbeitsorganisation
- Zusammenarbeit und Verantwortung
Ein einfaches Praxisheft begleitet diesen Weg.
Nach mindestens 20 Teilnahmetagen und der Bearbeitung der Praxisfelder stellen wir einen persönlichen Leistungsnachweis «Junior-Agroförster:in» aus. Er zeigt, was praktisch kennengelernt, erprobt und zunehmend selbstständig übernommen wurde.
Persönlich begleitet
Natalie Heusser ist Sozialpädagogin und Landwirtin. Sie leitet das Programm, ist die feste Bezugsperson während des Nachmittags und verbindet sozialpädagogische Begleitung mit praktischer Erfahrung in der Landwirtschaft.
Kai Isemann unterstützt als Berufsbildner und in der praktischen Arbeit im Agroforst. Als selbst neurodivergenter Mensch bringt er zudem eigene Erfahrung mit Bildungs-, Sozialversicherungs- und Behördensystemen ein. Ihn leitet die Frage, wie Menschen ihren Platz finden können, wenn bestehende Strukturen nur bedingt zu ihnen passen.
Wyler’s Biohof ist bereits in zweiter Generation in der Sozialarbeit tätig.
Anbieter und Vertragspartner: Isemann | Kuratierte Denkräume
Wenn die finanziellen Mittel knapp sind
Eine Teilnahme soll nicht allein an den finanziellen Möglichkeiten einer Familie scheitern. Melden Sie sich bei uns. Wir schauen gemeinsam, welche Lösung möglich ist.
Je nach Situation kann eine Beteiligung durch Schule, Sozialdienst, IV oder eine andere Fachstelle geprüft werden. Auf Wunsch unterstützen wir bei der Abklärung.
Kennenlernen
Vor dem Einstieg lernen wir den Jugendlichen und seine Erziehungsberechtigten in einem Gespräch kennen.
Ein Schnuppernachmittag bietet Gelegenheit, den Waldgarten, die Gruppe und das Team kennenzulernen. Danach vereinbaren wir Beginn, Teilnahmezeitraum und Betreuungsrahmen.
Die Jugendlichen kommen nach dem Mittagessen und bringen wettergerechte Kleidung mit. Weitere praktische Fragen klären wir beim Kennenlernen.





