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Project Category: Reallabor

Hof Schwand

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Spannungsfeld

Der Hof Schwand liegt in einem Raum, in dem sich landwirtschaftliche Nutzung und andere Ansprüche direkt überlagern. Siedlungsdruck und steigende Bodenpreise verschieben die Grundlagen des Betriebs. Der Boden gewinnt an Wert, die landwirtschaftliche Nutzung verliert an Selbstverständlichkeit.

Gleichzeitig entstehen Leistungen, die die Region tragen, im Markt jedoch nur teilweise erscheinen. In diesem Spannungsfeld entscheidet sich, ob Landwirtschaft Teil der Raumentwicklung bleibt oder schrittweise aus ihr verschwindet.

Region

Willisau (LU), Schweiz

Status

Der Hof Schwand bewegt sich innerhalb dieses Spannungsfelds und klärt seine Rolle darin aktiv. Bestehende Verbindungen in die Region werden stärker, neue entstehen und verdichten den Zusammenhang.

Der Hof steht damit im Gefüge von Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und regionaler Entwicklung. Die nächsten Schritte ergeben sich aus dieser Verdichtung heraus, konkret im Betrieb und im Austausch mit der Region.

Hof Schwand

Ein landwirtschaftlicher Betrieb im Spannungsfeld von Raum, Boden und Zukunft

Warum dieser Betrieb relevant ist

Der Hof Schwand liegt in einem Raum, in dem landwirtschaftliche Fläche strategische Bedeutung gewonnen hat.

Siedlungsentwicklung beansprucht Kulturland.
Infrastruktur verdichtet den Raum.
Gesellschaftliche Erwartungen an Biodiversität, Tierwohl und Landschaftsqualität steigen.
Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Druck auf landwirtschaftliche Betriebe hoch.


— Fläche wird knapp. Ansprüche steigen.


Landwirtschaft steht damit im Spannungsfeld von Raumplanung, Wertschöpfung und ökologischer Tragfähigkeit.

Hier zeigt sich, wie mit Begrenzung umgegangen wird.

Die zentrale Frage

Wie entsteht mehr Wertschöpfung auf gleicher Fläche ohne die Substanz des Bodens zu schwächen?


— Wertschöpfung pro Quadratmeter wird zur strategischen Frage.


Verdichtung kann Substanz abbauen.
Sie kann auch Qualität erhöhen.

Entscheidend ist die Systemlogik der Bewirtschaftung.


— Fläche ist endlich. Qualität ist gestaltbar.


Boden als Ausgangspunkt

Der Boden ist Produktionsgrundlage, Lebensraum und Speicher.

Er reagiert auf Bewirtschaftung.
Langsam.
Kumulativ.
Irreversibel.

Verdichtung verändert Wasserführung.
Humusabbau reduziert Speicherfähigkeit.
Strukturverlust erhöht Erosion.

Diese Prozesse sind messbar.
Und sie wirken über Generationen.


— Boden vergisst nichts.


Biodiversität ist in diesem Kontext funktionale Infrastruktur.
Sie stabilisiert das System und reduziert Verwundbarkeit.


— Was im Boden aufgebaut wird, bestimmt den Handlungsspielraum der nächsten Generation.


Ernährungssicherheit beginnt nicht im Handel.
Sie beginnt im Boden.

Landwirtschaft als System

Landwirtschaft ist Teil eines Ökosystems.
Und Teil eines Ernährungssystems.

Betrieb, Markt, Region und Natur stehen in Wechselwirkung.

Systemisches Denken bedeutet, diese Wechselwirkungen in Entscheidungen einzubeziehen.

Kurzfristige Optimierung kann langfristige Kosten erzeugen.
Langfristige Stabilität entsteht aus struktureller Balance.


— Ernährungssicherheit ist eine Systemleistung.


Landwirtschaft neu zu denken heisst, sie als Bestandteil gesellschaftlicher Resilienz zu verstehen.

Einbettung in bestehende Strukturen

Der Hof Schwand ist eingebunden in landwirtschaftliche Netzwerke.

Die Zusammenarbeit mit dem Luzerner Bauernverband sowie die Verankerung über die regionale Bäuerinnenorganisation schaffen Resonanz im Berufsstand.

Veränderung braucht Legitimität.
Legitimität entsteht im Dialog.

Die Herausforderungen sind bekannt.
Preisdruck.
Regulatorische Komplexität.
Steigende Dokumentationsanforderungen.
Volatile Märkte.


— Transformation beginnt in der Praxis, nicht im Konzept.


Entwicklung entsteht dort, wo reale Rahmenbedingungen aktiv gestaltet werden.

Praxis: Verantwortung konkret

Der Hof Schwand steht für eine Haltung.

Boden wird als langfristiges Kapital verstanden.
Biodiversität als Stabilitätsfaktor.
Wertschöpfung als Ausdruck systemischer Qualität.

Verantwortung bedeutet, Zielkonflikte offen zu benennen.
Und Entscheidungen im Bewusstsein ihrer Langzeitwirkung zu treffen.


— Zukunft entsteht aus heutigen Entscheidungen.


Wer Zukunft gestalten will, übernimmt Risiko.
Wer Stabilität sichern will, investiert in Substanz.

Mut zeigt sich in der Bereitschaft, wirtschaftliche Entscheidungen an ökologischer Tragfähigkeit auszurichten.
Wille zeigt sich in der Konsequenz, diese Haltung im eigenen Betrieb umzusetzen.

Getragen wird dieser Entwicklungsraum von Bruno und Andrea Stadelmann.
Sie übernehmen Verantwortung im eigenen Betrieb und im regionalen Kontext.


— Verantwortung ist eine Strukturfrage.


Was hier sichtbar wird

Der Hof Schwand ist kein isoliertes Projekt.
Er ist ein Entwicklungsraum unter realen Bedingungen.

Hier wird sichtbar, wie Boden, Biodiversität und regionale Wertschöpfung zusammengeführt werden können.

Kein Theorie.
Praxis.

Und wie Verantwortung konkret wird.
Im Boden.
In Entscheidungen.
Im täglichen Handeln.

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AgriMetrix

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Spannungsfeld

Landwirtschaftliche Leistungen sind real vorhanden, bleiben jedoch unsichtbar, solange sie weder lesbar noch strukturell anschlussfähig gemacht werden.

Region

Schweiz & Liechtenstein

Status

Seit rund 15 Jahren in Entwicklung. 2024 für die Schweiz und Liechtenstein übernommen und laufend in Praxis und Regionen weiterentwickelt.

AgriMetrix

Sichtbarmachung landwirtschaftlicher Leistungen

AgriMetrix ist ein Instrument zur Übersetzung.
Kein Bewertungssystem.
Kein Controlling-Tool.
Kein Wirkungsnachweis.

Es dient dazu, landwirtschaftliche Leistungen lesbar zu machen.
Nicht Kosten.
Nicht vermeintliche Wirkung.
Leistung.


— Was nicht lesbar ist, kann nicht verantwortet werden.


AgriMetrix entsteht aus der Praxis.
Und wird in der Praxis eingesetzt.

Auf Betrieben.
In Regionen.
In Reallaboren.

Nicht zur Optimierung einzelner Kennzahlen.
Zur Orientierung in komplexen Zusammenhängen.

Ökologische Leistungen.
Soziale Leistungen.
Ökonomische Tragfähigkeit.

In dieser Reihenfolge.

AgriMetrix arbeitet mit einer grossen Anzahl von Indikatoren.
Nicht um Vollständigkeit zu behaupten.
Sondern um Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Was heute getrennt betrachtet wird, wird in Beziehung gesetzt.

Boden.
Betrieb.
Region.

Nicht alles wird messbar.
Aber vieles wird lesbar.


— Lesbarkeit ersetzt keine Entscheidung.
— Sie macht sie möglich.


AgriMetrix ist kein Entscheidungsautomat.
Es trifft keine Prioritäten.
Es gibt keine Empfehlungen.

Es schafft eine gemeinsame Grundlage, auf der unterschiedliche Akteure über Leistungen sprechen können.

Landwirtinnen und Landwirte.
Beratung.
Verwaltung.
Finanzierungsakteure.
Stiftungen.

Nicht im Konsens.
Sondern in Klarheit.

AgriMetrix im Reallabor

AgriMetrix wird in Reallaboren eingesetzt.
Unter realen Bedingungen.
Mit realen Konsequenzen.

Leistungen werden erhoben.
Regional aggregiert.
Gemeinsam reflektiert.

Nicht zur Vergleichbarkeit.
Zur Einordnung.

So entsteht Entscheidungsfähigkeit.
Auf Betriebsebene.
Und auf regionaler Ebene.


— Übersetzung ist Arbeit.
— Auch im System.


Ein offenes Instrument

AgriMetrix ist nicht abgeschlossen.
Es wird weiterentwickelt.

Nicht am Reissbrett.
Im Einsatz.

Was trägt, bleibt.
Was nicht trägt, wird angepasst.

Auch das ist Teil der Arbeit.

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Wyler’s Biohof & Waldgarten

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Spannungsfeld

Ein funktionierender Nebenerwerbsbetrieb steht vor der Frage, wie unter bestehenden Strukturen Anerkennung, Tragfähigkeit und Zukunft entstehen können.

Region

Zürcher Oberland (CH)

Status

Seit 2023 in Umsetzung und dauerhaft wachsend. Permakultur, Agroforst, Mischkulturen und strukturelle Vielfalt entwickeln sich überjährig weiter. 

Wyler’s Biohof & Waldgarten

Landwirtschaft im Wandel

Die Schweizer Landwirtschaft steht vor einer Neuordnung.
Politische Programme setzen Leitplanken.
Ökologische Anforderungen nehmen an Gewicht zu.
Wirtschaftlicher Druck bleibt hoch.

Für viele Betriebe stellt sich die konkrete Frage, wie sich ein System entwickeln lässt, das langfristig trägt.

Wyler’s Biohof & Waldgarten ist ein kleiner Betrieb im Zürcher Oberland, eingebettet in bestehende Strukturen und begrenzte Flächen (knapp 9 ha gesamt, davon ein Teil Pachtland und ein kleiner Waldbestand).

In dieser Grössenordnung verdichten sich die Herausforderungen.
Spielräume sind enger.
Abhängigkeiten direkter.
Fehler wirken schneller.


— Kleinstrukturen tragen eine hohe Komplexität.


Die Entwicklung des Hofes erfolgt unter realen Bedingungen eines laufenden Betriebs.
Entscheidungen müssen tragfähig sein, während der Alltag weiterläuft.
Die Anmeldung von 60 Aren als Mischkultur markiert einen ersten strukturellen Schritt innerhalb dieses Rahmens.


— Zukunftsfähigkeit entsteht aus der Ordnung der Grundlagen.


Ein Hof mit Geschichte, getragen in die Zukunft

Seit über 100 Jahren wird der Hof von Familie Wyler bewirtschaftet.
Über Generationen hinweg entstand ein Betrieb, der sich an die jeweiligen Bedingungen angepasst hat und dabei seine innere Kontinuität bewahrt hat.

In den letzten Jahren wurde der Hof im Nebenerwerb geführt, mit rund 0.7 SAK (Standardarbeitskraft; eine betriebliche Kenngrösse, die den Arbeitsbedarf eines Betriebs in Vollzeitäquivalenten abbildet).
Die wirtschaftliche Grundlage bildeten kleine Mengen KAG Freiland Rindfleisch sowie die Pensionspferdehaltung.

Diese Struktur hat den Betrieb getragen.
Gleichzeitig den Raum offengehalten für eine Weiterentwicklung.
Die eigentliche Transformation entstand im Zuge des letzten Generationenwechsels.
Mit der Übernahme wurde der Betrieb neu ausgerichtet und Schritt für Schritt in eine tragfähige Zukunftsstruktur überführt.

Mit der aktuellen Generation verschiebt sich der Schwerpunkt. Der Hof wächst wieder in eine Vollerwerbsstruktur hinein. Mit der Neuausrichtung der Flächen und der Erweiterung der Nutzung steigt die betriebliche Grundlage auf über 1.0 SAK.


— Ein Betrieb wächst an dem, was er tragen kann.


Diese Bewegung ist kein Bruch mit dem Alten.
Sie ist eine Weiterführung.
Bestehendes bleibt wirksam und wird ergänzt durch neue Formen der Bewirtschaftung und Wertschöpfung.


Landwirtschaft als zusammenhängendes System

Auf Wyler’s Biohof & Waldgarten entsteht ein System, in dem sich die einzelnen Elemente gegenseitig tragen.

Mischkulturen verbinden Bäume, Sträucher, Kräuter und Kulturen.
Agroforststreifen strukturieren die Flächen entlang der Topografie.
Wasser wird geführt, gehalten und im System verfügbar gemacht.
Der Boden bleibt möglichst ungestört und gewinnt über die Jahre an Substanz.
Tiere bewegen sich als Teil dieses Gefüges durch die Flächen.
Sie übernehmen Funktionen im Kreislauf und verbinden die einzelnen Elemente.


— Ertrag folgt Funktion.


Alle Massnahmen entstehen aus den Bedingungen des Standorts heraus.
Klima, Boden und Nutzung greifen ineinander.
Daraus entwickelt sich ein System, das mit der Zeit an Stabilität gewinnt.

Vielfalt als tragende Struktur

Die Flächen sind bewusst differenziert aufgebaut.

Obst-Mischkulturen verbinden Hochstammbäume mit Unterpflanzungen aus Kräutern, Beeren und Gemüse.
Mehrjährige Beerenflächen tragen früh zur Produktion bei und entwickeln mit den Jahren ihre volle Leistung. Medizinalpflanzen ergänzen das System und eröffnen eine zusätzliche Ebene der Nutzung.

  • 2023

  • 2024

  • 2025

Wiesen und Weiden werden in diese Struktur eingebunden und gezielt aufgewertet.
Hecken, Strauchstreifen und Übergänge schaffen Lebensräume und verbinden die Flächen.

Ein Netz von Verweilorten durchzieht den Betrieb.
Diese Orte ermöglichen Beobachtung und Beziehung.
Sie machen das System zugänglich und erfahrbar.


— Vielfalt ist keine Strategie.
— Sie ist die Folge eines funktionierenden Systems.


Die Planung folgt klaren Prinzipien.
Umsetzung und Entwicklung bleiben eng miteinander verbunden.

Entwicklung in Etappen

Die Entwicklung des Waldgartens erfolgt schrittweise.
In den ersten Jahren stehen Aufbau und Pflanzung im Zentrum.
Strukturen werden angelegt.
Kulturen etabliert.
Wasserführung aufgebaut.

Erste Erträge entstehen parallel dazu, in überschaubaren Mengen und mit direkter Nähe zum Betrieb.

Mit zunehmender Reife verschiebt sich der Schwerpunkt.
Die Systeme beginnen zu tragen.
Erträge werden stabiler.
Verarbeitungsschritte gewinnen an Bedeutung.
Produkte entstehen aus dem, was die Fläche hervorbringt.

Ab etwa dem dritten Jahr verdichtet sich diese Entwicklung in klaren Linien.
Beeren werden zur Grundlage für eine eigene Limonade.
Kräuter fliessen in Teemischungen ein.
Nüsse und Trockenfrüchte werden zu haltbaren Produkten weiterverarbeitet.


— Zeit ist ein Produktionsfaktor.


Investition in ein tragfähiges Gefüge

Die Umsetzung des Waldgartens auf 60 Aren erfordert eine Investition von rund 64’000 CHF.
Diese Mittel fliessen in Pflanzmaterial, Bodenvorbereitung, Wasserführung sowie in Wissen und Aufbauarbeit.

Die wirtschaftliche Entwicklung baut sich schrittweise auf.
Mit der Zeit erweitert sich die Produktpalette und gewinnt an Tiefe.
Aus kleinen Mengen einzelner Produkte entsteht eine diversifizierte Linie.
Verarbeitung und Direktvermarktung verbinden sich.
Der Betrieb entwickelt eigene Angebote, die aus der Fläche heraus entstehen und diese widerspiegeln.


— Wertschöpfung beginnt im Boden.


Parallel dazu verändert sich die Grundlage des Betriebs.

Die Fläche gewinnt an Qualität und Tragfähigkeit.
Daraus entsteht eine wirtschaftliche Perspektive, die den Hof langfristig trägt.

Ein persönlicher Entwicklungsraum

Über vier Jahre hinweg entsteht hier ein Reallabor, getragen mit einem Pensum von rund 0.3 SAK.
Planung, Umsetzung und Beobachtung greifen ineinander.
Entscheidungen entstehen aus der Arbeit im Feld.

Dieses Reallabor verbindet Praxis und Reflexion.

Erfahrungen verdichten sich im Tun.
Der Betrieb wird damit zu einem Ort, an dem sich Landwirtschaft weiterentwickelt.
Konkret.
Greifbar.
Anschlussfähig für andere.


— Praxis ist der Ort, an dem Erkenntnis entsteht.


Triple Bottom Line: 
Ein geordnetes Fundament

Die Entwicklung folgt einer klaren inneren Ordnung.

Ökologie bildet die Grundlage.
Boden, Wasser und Biodiversität tragen das System.
Darauf baut die soziale Dimension auf.
Der Hof wirkt als Lebens- und Lernort.

Die ökonomische Ebene entsteht aus dieser Struktur heraus und sichert die langfristige Tragfähigkeit.


— Die Ökonomie folgt der Ökologie.


Gelebte Zusammenarbeit

Die Entwicklung des Hofes wird von mehreren Menschen getragen.

Flurin Wyler führt den Betrieb in dritter Generation.
Familie und Partnerin wirken im Alltag mit.

Wissen, Erfahrung und neue Impulse fliessen zusammen.

Mit meinem Einstieg kommt eine zusätzliche Perspektive in den Betrieb.
Landwirtschaft und systemische Entwicklung verbinden sich.
Daraus entsteht ein Arbeitsraum, der über klassische Rollen hinausgeht.

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Auenhof

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Spannungsfeld

Zwischen agrarpolitischer Flächenlogik und realer betrieblicher Tragfähigkeit entscheidet sich, ob kleinstrukturierte Höfe verschwinden oder wieder handlungsfähig werden.

Region

Zürichsee (ZH), Schweiz

Status

2021-2022 zeitlich begrenzt umgesetzt und mit der Etablierung einer stabilen, bankfreien Finanzierungsstruktur abgeschlossen.

Auenhof

Reaktivierung eines landwirtschaftlichen Betriebs ausserhalb klassischer Finanzlogik

Ein Hof ohne Struktur

Der Auenhof war über Jahre kein offiziell anerkannter Landwirtschaftsbetrieb mehr.

Er war aus dem bäuerlichen Bodenrecht entlassen worden.
Land und Gebäude hatten ihre agrarische Zuordnung verloren.
Was blieb, war Substanz ohne Struktur.


— Struktur entscheidet über Zukunftsfähigkeit.


Der Hof existierte räumlich.
Institutionell war er entkoppelt.

Im agrarpolitischen Kontext galt ein Betrieb dieser Grösse als wirtschaftlich nicht tragfähig.
Unter zehn Hektaren gelten Höfe in der Schweiz gemeinhin als strukturell benachteiligt.

Banklogiken bewerten Skalierung, Sicherheiten und Standardisierbarkeit.

Der Auenhof erfüllte keine dieser Erwartungen.


— Was nicht ins Risikomodell passt, erhält keinen Kredit.


Eine klassische Bank hätte dieses Projekt nicht begleitet.
Nicht aus mangelndem Interesse.
Aus systemischer Logik.

Der Impuls

Die Initiative zur Reaktivierung ging von Marcus Pan aus.

Er erkannte das Potenzial des Standorts.
Landwirtschaftlich.
Ökologisch.
Gesellschaftlich.

Der Wille war vorhanden.
Die Struktur fehlte.

Die Herausforderung war nicht agronomisch.
Sie war finanziell und institutionell.

Hier begann die Übersetzungsarbeit.

Übersetzung in Finanzierbarkeit

Das als unmöglich geltende Vorhaben wurde in einen strukturierten Businessplan überführt.

Investitionsbedarf.
Zeitachsen.
Ertragsmodelle.
Risikoannahmen.
Alles wurde transparent gerechnet.
Langfristige Entwicklung ersetzte kurzfristige Renditeerwartung.


— Unmöglichkeit ist oft nur eine Frage der Struktur.


Investierende wurden angebunden, die bereit waren, Potenzial vor Standardisierung zu bewerten.
Kapital floss ausserhalb klassischer Banklogik.

Nicht spekulativ.
Strukturiert.

Diese Finanzierung war keine Lücke im System.
Sie war eine bewusste Entscheidung gegen lineare Risikobewertung.


— Banklogik bewertet Sicherheiten.
— Struktur bewertet Entwicklung.


Reaktivierung und Anerkennung

Mit der gesicherten Finanzierung wurde Land wieder aktiviert.
Gebäude erhielten ihre agrarische Funktion zurück.
Der Hof wurde erneut als offizieller Landwirtschaftsbetrieb anerkannt.

Damit ist die formale Struktur wieder hergestellt.

Der Auenhof ist wieder Teil der landwirtschaftlichen Ordnung.
Mit allen Rechten und Pflichten.


— Zugehörigkeit bedeutet Verantwortung.


Boden als Grundlage

Die Reaktivierung stellte den Boden ins Zentrum.

Flächen wurden nicht auf maximale Intensität ausgelegt, sondern auf langfristige Stabilität.
Humusaufbau, Diversität und resiliente Anbausysteme bildeten die Grundlage.

Biodiversität wurde als funktionale Infrastruktur verstanden.
Ertragssicherheit entstand aus Systemstabilität.


— Bodenqualität ist strategisches Kapital.


Die Landschaft gewann wieder agrarische Identität.
Der Betrieb gewann wieder Substanz.

Demonstrations- und Lernraum

Der Auenhof entwickelte sich nicht nur als Produktionsort.
Er wurde zu einem Lernraum.

Praxis wurde sichtbar gemacht.
Struktur wurde erklärbar gemacht.
Landwirtschaft wurde diskutierbar gemacht.


— Praxis erzeugt Glaubwürdigkeit.


Die Reaktivierung zeigte, dass kleine Betriebe strukturell tragfähig sein können, wenn Systemlogik vor Skalierungslogik gestellt wird.

Der Auenhof wurde zu einem Referenzraum.

Bodenorientierte Bewirtschaftung.
Strukturierte Finanzierungsmodelle.
Landwirtschaft im periurbanen Kontext.

Bedeutung im grösseren Kontext

Der Auenhof stellte keine isolierte Ausnahme dar.

Er stellte eine strukturelle Frage: Wie viele Betriebe scheitern nicht an Boden oder Motivation sondern an Finanzierungslogik?


— Risiko entsteht oft aus den Bewertungsmodellen selbst. 


Diese Reaktivierung beweist, dass Alternativen möglich sind.
Entromantisiert. 
Strukturell.

Abschluss

Der Prozess ist abgeschlossen.
Der Betrieb ist offiziell anerkannt.
Land und Gebäude sind wieder Teil der agrarischen Ordnung.

Der Auenhof steht wieder als funktionierender Landwirtschaftsbetrieb.

Kein Experiment.
Realität.


Kai Isemann

Ich wirke in lebendigen Systemen.
Nicht aus beobachtender Distanz, sondern von innen heraus.
Meine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird.
In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen.

Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich.
Es ist eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus.
Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein.
Es ist wahrgenommen im Geschehen. 

Ohne Schuldzuweisung.
Ohne Heilsversprechen.


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Triple Bottom Line

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Spannungsfeld

Wirtschaftliche Entscheidungen orientieren sich häufig an finanziellen Kennzahlen. Gleichzeitig entfalten sich wirtschaftliche Aktivitäten immer innerhalb ökologischer Systeme und gesellschaftlicher Beziehungen.

An dieser Schnittstelle entstehen Spannungen. Grundlagen wirtschaftlicher Tätigkeit bleiben oft unscharf, während Erwartungen an Verantwortung und Zukunftsfähigkeit wachsen.

Region

weltweit

Status

Begonnen 2020. Seither laufend angewendet und weiterentwickelt in Entscheidungsräumen für Wirkungskapital und Impact Investments.

Die Methodik dient Unternehmen, Stiftungen und öffentlichen Institutionen als Orientierung, um Vorhaben entlang ökologischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Grundlagen zu prüfen. Organisationen, die Strategien, Programme oder Investitionen entlang dieser Logik weiterentwickeln möchten, finden hier einen erprobten Rahmen für die gemeinsame Arbeit.

Triple Bottom Line

Eine Bewertungslogik für verantwortungsvolle Entscheidungen.

Nachhaltigkeit erscheint in vielen Projekten erst spät im Prozess.

Ein Vorhaben steht bereits.
Kapital ist gebunden.
Entscheidungen wirken in Landschaften, Märkte und Gesellschaft hinein.

Die Diskussion beginnt häufig erst an diesem Punkt.
Wenn Auswirkungen sichtbar werden.
Wenn Verantwortung eingefordert wird.


— Die Qualität eines Vorhabens entscheidet sich am Anfang.»


Die Triple Bottom Line setzt früher an.

Sie beschreibt einen Entscheidungsrahmen, der wirtschaftliche Vorhaben entlang dreier miteinander verbundener Dimensionen betrachtet.
Ökologie.
Gesellschaft.
Ökonomie.

Der Begriff wurde Mitte der 1990er-Jahre von John Elkington geprägt.
Seine Überlegung war einfach und zugleich radikal.

Wirtschaftlicher Erfolg lässt sich entlang dreier Ergebnislinien betrachten.
Planet.
People.
Profit.

Diese drei Begriffe beschreiben keinen Zielkonflikt, sondern den Raum, in dem wirtschaftliche Tätigkeit stattfindet.

Ökologische Systeme stellen die materiellen Grundlagen bereit.
Gesellschaftliche Strukturen tragen Zusammenarbeit, Vertrauen und Verantwortung.
Ökonomische Aktivitäten organisieren Produktion, Austausch und Investitionen.


— Ökonomie existiert nie ausserhalb ihrer Grundlagen.


Viele Interpretationen der Triple Bottom Line betrachten diese Ebenen gleichzeitig.

Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie erscheinen parallel.
Sie werden gegeneinander abgewogen.
Sie werden verrechnet.

Hier setzt die Weiterentwicklung der Methodik an.
Die drei Dimensionen werden neu geordnet.

Die ökologische Ebene bildet die Grundlage.
Sie beschreibt die Qualität der natürlichen Systeme, in denen wirtschaftliche Tätigkeit stattfindet.

Darauf aufbauend folgt die soziale Dimension.
Sie beschreibt die Beziehungen, Institutionen und Verantwortungsräume, die wirtschaftliche Zusammenarbeit tragen.

Die ökonomische Perspektive bildet die dritte Ebene.
Sie beschreibt die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Vorhabens innerhalb dieser Grundlagen.


— Die ökonomischste Ökonomie ist eine ökologische. 


Diese Ordnung verändert die Logik von Entscheidungen.

Ökologische und soziale Grundlagen bilden den Rahmen, innerhalb dessen wirtschaftliche Entwicklung entsteht.

Die hier beschriebene Methodik wurde von Kai Isemann gemeinsam mit Oliver Fink entwickelt.

Sie übersetzt die Logik der Triple Bottom Line in ein strukturiertes System von Indikatoren.

Ein Dutzend Kriterien beschreibt die Qualität eines Vorhabens entlang der drei Dimensionen.
Sie richten den Blick auf zentrale Fragen zur Entwicklung ökologischer Grundlagen, zur Qualität sozialer Beziehungen und zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines Systems.

Unternehmen nutzen diese Methodik zur strategischen Einordnung von Vorhaben.

Auch Stiftungen und öffentliche Verwaltungen greifen darauf zurück.
Sie prüfen Programme, Förderungen und Investitionen entlang dieser Dimensionen und schaffen damit eine Grundlage für Entscheidungen.

So entsteht ein Entscheidungsraum, in dem Zukunftsfähigkeit überprüfbar wird.


— Zukunftsfähigkeit entsteht aus der Ordnung der Grundlagen.


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