Architektur resilienter Agrarregionen
Das Projekt ist im Spannungsfeld von Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie verortet und nimmt die daraus entstehenden Zielkonflikte nicht als Störung wahr, sondern als Arbeitsgrundlage regionaler Entscheidungsfähigkeit.
Europa
RLWR befindet sich seit 2026 in laufender Anwendung und entwickelt sich über parallele regionale Umsetzungen hinweg weiter, ohne als abgeschlossenes Programm oder lineares Vorhaben angelegt zu sein.
RARE: Resilient Agrarian Regional Ecosystems
Architektur resilienter Agrarregionen
Landwirtschaftliche Regionen tragen zentrale Funktionen für Gesellschaft und Wirtschaft.
Sie sichern Ernährung, gestalten Landschaften, erhalten Bodenfruchtbarkeit, fördern Biodiversität und stabilisieren regionale Ökonomien.
Diese Leistungen entstehen täglich auf landwirtschaftlichen Betrieben sowie entlang regionaler Wertschöpfungsketten.
Gleichzeitig überlagern sich verschiedene Dynamiken.
Ökologische Anforderungen steigen.
Betriebe stehen unter wirtschaftlichem Druck.
Verarbeitung, Handel und Konsum verändern sich.
Gesellschaftliche Erwartungen an Landwirtschaft wachsen.
All diese Kräfte wirken auf denselben Raum: die landwirtschaftliche Region.
RARE beschreibt eine Architektur, in der dieser Raum lesbar wird.
— Regionen bilden den operativen Raum landwirtschaftlicher Transformation.
RARE steht für Resilient Agrarian Regional Ecosystems.
Der Begriff beschreibt regionale Ernährungssysteme, in denen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Konsum, Finanzierung und gesellschaftlicher Dialog miteinander verbunden sind.
Die Stabilität dieser Systeme entsteht aus der Leistungsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe und aus der Qualität regionaler Wertschöpfungsketten.
RARE schafft einen Ordnungsraum, in dem diese Zusammenhänge sichtbar werden.
Der Rahmen verbindet drei Ebenen:
- Lesbarkeit landwirtschaftlicher Leistungen
- regionale Wirtschaftsräume
- Finanzierungsmechanismen für Leistung
Aus dieser Verbindung entstehen neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlicher Hand.
— Transformation entsteht dort, wo Leistungen sichtbar werden.
Die methodische Grundlage von RARE bildet AgriMetrix.
AgriMetrix ist eine Leistungsarchitektur zur systematischen Erfassung landwirtschaftlicher Leistungen.
Mehrere hundert Indikatoren machen ökologische, soziale und regionalökonomische Beiträge landwirtschaftlicher Betriebe sichtbar.
Betriebe erfassen ihre Leistungen entlang definierter Kriterien.
Daraus entstehen differenzierte Leistungsprofile, die die tatsächliche Leistungsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme abbilden.
Diese Lesbarkeit schafft eine neue Grundlage für regionale Entwicklung.
AgriMetrix verbindet betriebliche Praxis mit regionalen Analysen, Marktprozessen und Finanzierungsinstrumenten.
— Lesbarkeit schafft Orientierung.
RARE entfaltet sich in regionalen Entwicklungsräumen, den Reallaboren.
Ein Reallabor verbindet landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeitung, Handel, Gemeinden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft innerhalb eines gemeinsamen Dialograums.
Aggregierte Leistungsprofile bilden die Grundlage für regionale Gespräche über die Entwicklung des Ernährungssystems.
In diesen Agrardialogen entsteht ein gemeinsamer Blick auf die Leistungslandschaft einer Region.
Beteiligte Akteure reflektieren Fragen wie:
- Welche Leistungen prägen die Region bereits?
- Welche Entwicklungslinien tragen die Zukunft des Ernährungssystems?
- Wo entstehen neue Kooperationsräume?
Aus diesen Gesprächen entstehen regionale Prioritäten, die sich anschliessend in Marktprozessen, Kooperationen und Investitionen widerspiegeln.
— Der Agrardialog verbindet Daten mit Entscheidungen.
Innerhalb von RARE entstehen verschiedene funktionale Module.
- AgriMetrix-Farm macht Leistungen auf Betriebsebene sichtbar.
- AgriMetrix-Retail verbindet landwirtschaftliche Produktion mit regionaler Nahversorgung und Gastronomie.
- AgriMetrix-Trade schafft Transparenz entlang regionaler Wertschöpfungsketten.
- AgriMetrix-Public verbindet landwirtschaftliche Leistungen mit kommunalen Strategien.
- AgriMetrix-Alliance unterstützt Kooperationen zwischen Betrieben und Organisationen.
- AgriMetrix-Reward verbindet landwirtschaftliche Leistungen mit finanziellen Ressourcen.
Innerhalb des Reward-Moduls entstehen neue Finanzierungsformen, die Leistungen im landwirtschaftlichen Raum sichtbar machen und wirtschaftlich wirksam werden lassen.
— Leistung wird Teil der ökonomischen Logik.
RARE arbeitet gleichzeitig entlang thematischer Entwicklungsachsen.
Diese Achsen bündeln Transformationsprozesse in konkreten Praxisfeldern.
Aktuelle Entwicklungsachsen sind unter anderem:
- PIWI-Achse im Weinbau
- Agroforst-Achse für mehrschichtige Agrarsysteme
- Obstbau-Achse für dauerhafte Kulturen
- Pädagogik-Achse (Erdkinder) für Bildung in landwirtschaftlichen Räumen
- TCA-Achse für assoziative Wertschöpfungsketten und Kostenwahrheit
Weitere Achsen können jederzeit an die Architektur anschliessen.
— Transformation wird dort sichtbar, wo Praxisräume entstehen.
Die ersten Reallabore entstehen derzeit in mehreren Regionen der Schweiz:
- Willisau
- Ennetmoos
- Klettgau-Hochrhein
- Bern-Mittelland
- Zimmerberg
Diese Regionen verbinden landwirtschaftliche Produktionsräume mit regionalen Konsumräumen, institutionellen Akteuren und bestehenden Wertschöpfungsstrukturen.
Sie bilden reale Entwicklungsräume, in denen neue Formen der Zusammenarbeit erprobt werden.
— Regionale Ernährungssysteme entstehen aus Zusammenarbeit.
Regionale Ernährungssysteme besitzen erhebliche wirtschaftliche Bedeutung.
Der Lebensmittelkonsum liegt in europäischen Regionen typischerweise zwischen 6’000 und 8’000 Franken pro Person und Jahr.
Bereits mittelgrosse Regionen bewegen damit jährliche Lebensmittelmärkte von mehreren hundert Millionen Franken.
RARE schafft eine Architektur, in der ein Teil dieser bestehenden Nachfrage stärker mit regionaler Landwirtschaft verbunden werden kann.
Landwirtschaftliche Leistungen werden sichtbar.
Regionale Wertschöpfung wird gestärkt.
Finanzierungsstrukturen erreichen landwirtschaftliche Betriebe über reale Marktprozesse.
— Resilienz entsteht aus einer gesunden regionalen Wirtschaft.
Die Verbindung von landwirtschaftlicher Praxis, regionaler Ökonomie, gesellschaftlichem Dialog und neuen Finanzierungsformen schafft eine Infrastruktur für die langfristige Stabilität regionaler Agrarsysteme.


