Kasse Zurück zur Website
Zum Hauptinhalt springen

Project Category: Verantwortung

Reallabore, in denen Entscheidungen reale Konsequenzen haben und nicht delegiert werden können. Hier wird Verantwortung getragen, nicht verwaltet.

BANKGESPRÄCH – Boden. Gesellschaft. Kapital.

Zurück zur Übersicht

Region

Schweiz

Spannungsfeld

Ein Landwirtschaftsbetrieb verbindet Boden, Arbeit, Familie, Kapital, Risiko und Zukunft. Die Entscheidungen dazu entstehen an unterschiedlichen Orten: auf dem Hof, in einer Bank, bei einer Versicherung, in der Verarbeitung, in der Gastronomie oder beim Einkauf.

Ihre Folgen treffen sich auf derselben Fläche. BANKGESPRÄCH bringt die Beteiligten dorthin zurück.

Status

BANKGESPRÄCH befindet sich im Aufbau der ersten Staffel. Zwölf Gespräche führen an zehn Orte in drei Sprachregionen. Zwei Folgen kehren später an bereits besuchte Orte zurück.

Filme, Podcasts und Texte machen die Gespräche zugänglich. Vier öffentliche Bankgespräche führen ausgewählte Fragen mit Menschen aus den Regionen weiter.

BANKGESPRÄCH – Boden. Gesellschaft. Kapital.

Was trägt einen Hof?

Wenn ein Landwirt Bäume pflanzt, verändert er seinen Hof für viele Jahre. Er investiert Arbeit und Geld, bevor die zusätzlichen Ernten zum Einkommen beitragen. Wie beurteilt eine Bank diese Investition? Welche Risiken kann ein Ernteversicherer übernehmen? Was brauchen Verarbeitung und Gastronomie, um mit den Früchten arbeiten zu können? Und was ist den Menschen wichtig, die sie kaufen und essen?

Die Fragen gehören zusammen. Besprochen werden sie meist getrennt.

BANKGESPRÄCH bringt Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen auf einer Holzbank zusammen. Die Bank steht dort, wo ihre Entscheidungen sichtbar werden: auf einem Hof, an einer Quelle, in einem Agroforst, bei einem Verarbeitungsbetrieb, vor einer Versicherung oder einer Bank.

Sie betrachten denselben Ort. Und beginnen von dort aus zu sprechen.


Jede wirtschaftliche Entscheidung hat einen Ursprung.


Eine Finanzierung steht in einer Bilanz. Auf dem Hof kann sie darüber entscheiden, ob eine Pflanzung möglich wird. Ein versichertes Risiko erscheint in einer Police. In der Landschaft zeigt sich, ob Wasser zurückgehalten wird, ein Boden Trockenheit übersteht oder eine Ernte ausfällt.

Zahlen bleiben wichtig. BANKGESPRÄCH gibt ihnen einen Ort.

Die Bank reist.

Die doppelte Bedeutung des Namens gehört zum Format.

Banken gehören zu den Orten, an denen über Investitionen, Risiken und Entwicklung entschieden wird. BANKGESPRÄCH nimmt diese Fragen mit hinaus in die Landschaft. Auf eine einfache Holzbank.

Der Ort wechselt. Die Bank bleibt.

Mal steht sie zwischen jungen Bäumen. Mal an einer Quelle. Mal auf einem Hof, dessen Zukunft offen ist. Mal vor einem Unternehmen, das landwirtschaftliche Rohstoffe verarbeitet. Die Landschaft gibt dem Gespräch seinen Zusammenhang.

Damit verändert sich auch die Frage.

Aus «Wie hoch ist das Risiko?» wird: «Was geschieht hier, wenn es drei Monate kaum regnet?»

Aus «Wann rentiert sich die Investition?» wird: Wer trägt die Jahre zwischen Pflanzung und Ertrag?

Aus «Was kostet dieses Lebensmittel?» wird: «Was muss sein Preis alles tragen?»

Das Gespräch beginnt mit dem Sichtbaren.

Jede Folge beginnt am Ort. Ein Gang über den Betrieb, durch eine Pflanzung oder entlang eines Gewässers führt in die Frage hinein. Erst danach nimmt die Runde auf der Bank Platz.

Eine Gastgeberin führt durch das Gespräch. Zwei feste Gesprächspartner bringen Erfahrungen aus Landwirtschaft und Ökonomie ein. Der vierte Platz wechselt mit dem Ort und der Frage.

Dort kann eine Betriebsleiterin sitzen. Ein Ernteversicherer. Eine Bankerin. Ein Verarbeiter. Eine Gastronomin. Eine Person aus einer Gemeinde. Oder jemand, der im Hofladen einkauft.

Entscheidend ist der eigene Bezug zur Frage.

Es geht weniger darum, Positionen nebeneinanderzustellen. Interessant wird das Gespräch dort, wo sichtbar wird, was die Beteiligten voneinander brauchen. Wo eine Erwartung auf eine andere Wirklichkeit trifft. Wo eine Entscheidung für den einen Sicherheit schafft und für den anderen ein neues Risiko bedeutet.

Die Runde darf widersprechen. Sie darf etwas offenlassen.

Zwei Folgen kehren später an bereits besuchte Orte zurück. Dann interessiert, was aus einer Überlegung, einer Zusage oder einem nächsten Schritt geworden ist. Was hat sich bewährt? Was kam anders? Was ist noch immer ungelöst?


Verantwortung wird greifbar, sobald sie einen Ort bekommt.


Wer vor einer jungen Pflanzung steht, spricht anders über langfristige Finanzierung. Wer einen trockenen Boden in der Hand hält, spricht anders über Risiko. Wer sieht, welche Arbeit zwischen Ernte und Teller liegt, blickt anders auf einen Preis.

BANKGESPRÄCH schafft diesen gemeinsamen Bezugspunkt.

Zehn Orte. Drei Sprachregionen.

Die erste Staffel führt durch die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin.

Die Gespräche beginnen bei Fragen, die auf Landwirtschaftsbetrieben längst vorhanden sind: Trockenheit und Wasser. Die Jahre zwischen Investition und Ertrag. Ein Betrieb unter Druck. Verarbeitung und Absatz. Preis und Wert. Finanzierung. Ernteversicherung. Lernen auf einem Hof. Die Verantwortung einer Region für ihre landwirtschaftlichen Grundlagen.

Eine Quelle im Tessin erzählt dabei eine andere Geschichte als eine Pflanzung im Mittelland. Ein Verarbeitungsbetrieb in der Romandie schaut anders auf eine Ernte als der Betrieb, der sie produziert.

Diese Unterschiede gehören zur Schweiz.

Die Menschen sprechen in ihrer Sprache. Untertitel und übersetzte Fassungen öffnen die Gespräche über die Sprachgrenzen hinweg.

Anschauen. Zuhören. Weiterdenken.

Jedes Bankgespräch erscheint als Film von 30 bis 45 Minuten. Aus derselben Aufnahme entsteht eine fürs Zuhören bearbeitete Podcastfassung. Ein begleitender Text nimmt eine Frage aus dem Gespräch auf und führt sie weiter. Kurze Filmausschnitte öffnen den Zugang zur vollständigen Folge.

Die Kamera bleibt nahe an der Arbeit. Boden, Pflanzen, Hände, Tiere, Maschinen und Werkzeuge gehören zum Bild. Die Landschaft wird so gezeigt, wie sie am Drehtag ist. Wind darf hörbar sein. Eine Pause darf stehenbleiben.

BANKGESPRÄCH braucht keine Kulisse. Der Ort ist bereits da.

Vor Ort weiterreden.

Vier öffentliche Bankgespräche führen ausgewählte Fragen aus der Staffel weiter. Zwei finden in der Deutschschweiz statt, eines in der Romandie und eines im Tessin.

Menschen aus der Region kommen mit Beteiligten der Reihe ins Gespräch. Landwirtschaft trifft auf Nachbarschaft, Verarbeitung, Gastronomie, Gemeinden, Finanzierung, Versicherung und Menschen, die Lebensmittel kaufen und essen.

Die veröffentlichten Folgen bilden den Ausgangspunkt. Danach gehört das Gespräch dem Raum.

Welche Erfahrung fehlt noch? Wo wird eine Frage anders gesehen? Was könnte in dieser Region gemeinsam getragen werden?

So wird aus einer Filmreihe ein öffentlicher Agrardialog.

Warum Landwirtschaft?

Landwirtschaft gehört zu den wenigen Bereichen, die jeden Menschen mehrmals am Tag berühren. Über Lebensmittel. Über Wasser. Über Landschaft. Über Boden. Über Preise.

Der direkte Bezug dazu ist kleiner geworden.

Viele Menschen kennen Landwirtschaft aus dem Laden, aus Abstimmungen oder aus Medienberichten. Landwirtschaftsbetriebe begegnen Banken, Versicherungen, Politik oder Verarbeitung häufig erst dann, wenn eine konkrete Entscheidung ansteht.

Die Lebenswelten sind verbunden. Die Begegnungen bleiben selten.

BANKGESPRÄCH schafft einen Ort dazwischen.

Nicht um am Ende überall dieselbe Meinung zu haben. Sondern um besser zu verstehen, worüber entschieden wird, welche Folgen eine Entscheidung hat und welche Verantwortung bei wem liegt.

Auf einer Bank.

An einem konkreten Ort.

Mit Menschen, die etwas damit zu tun haben.

Boden. Gesellschaft. Kapital. Gemeinsam betrachtet entsteht daraus mehr als ein Landwirtschaftsbetrieb. Es entsteht die Frage, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen.

Zurück zur Übersicht

Weitere Reallabore

Weiterlesen

RegioCoin

Zurück zur Übersicht

Region

Schweiz

Spannungsfeld

Regionen erzeugen täglich Leistungen für Ernährung, Landschaft, Biodiversität, Versorgungssicherheit und Lebensqualität. Ein grosser Teil der Kaufkraft bewegt sich entlang anderer Wege. Zwischen regionaler Leistung und regionaler Nachfrage entsteht eine Lücke.

Der RegioCoin adressiert genau diese Schnittstelle und verbindet Leistung, Finanzierung und Konsum innerhalb eines gemeinsamen regionalen Kreislaufs.

Status

Der RegioCoin befindet sich 2026 in der Pilotphase. Die technische Infrastruktur ist bereits produktiv im Einsatz und basiert auf der bewährten ecoo-Plattform, welche unter anderem die Grundlage des CSS Coin bildet.

Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf der regionalen Implementierung innerhalb von RARE sowie auf ersten Reallaboren in der Schweiz.

RegioCoin

Wenn regionale Leistung regionale Kaufkraft bewegt

Regionen verfügen über mehr Vermögen, als ihre Bilanzen zeigen.

Fruchtbare Böden.

Unternehmerische Betriebe.

Verarbeitungsstrukturen.

Handwerk.

Wissen.

Landschaften.

Soziale Beziehungen.

Vertrauen.

Täglich entstehen daraus Leistungen, die den Lebensraum einer Region tragen.

Ein Teil dieser Leistungen wird vergütet.

Ein anderer Teil bleibt wirtschaftlich unsichtbar.

Parallel dazu verlässt Kaufkraft kontinuierlich den regionalen Raum.
Sie fliesst in globale Plattformen, überregionale Handelsstrukturen oder Finanzsysteme, deren Bezug zur Region gering ist.

Zwischen regionaler Leistung und regionaler Kaufkraft entsteht eine Lücke.


— Regionale Entwicklung beginnt dort, wo Leistung, Nachfrage und Finanzierung miteinander in Beziehung treten.


Der RegioCoin wurde entwickelt, um genau diesen Zusammenhang sichtbar und handlungsfähig zu machen.

Ein Instrument innerhalb von RARE

Der RegioCoin ist Teil von RARE (Architektur resilienter Agrarregionen).
RARE schafft einen gemeinsamen Ordnungsraum für Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Finanzierung, Verwaltung, Stiftungen und Zivilgesellschaft.

Innerhalb dieses Ordnungsraums entstehen drei grundlegende Fragen:

Welche Leistungen werden in einer Region erbracht?
Welche Leistungen sind für die Zukunft der Region besonders relevant?
Wie können diese Leistungen wirtschaftlich gestärkt werden?

AgriMetrix macht Leistungen sichtbar.
Der Agrardialog schafft Verständigung.
Der RegioCoin schafft wirtschaftliche Rückkopplung.
Er verbindet Leistung, Nachfrage und Finanzierung innerhalb eines gemeinsamen regionalen Kreislaufs.


— Messung schafft Orientierung.
— Entwicklung entsteht durch Rückkopplung.


Vom Förderfranken zur regionalen Nachfrage

Fördergelder, Sponsoringbeiträge oder Entwicklungsbudgets verfolgen meist ein gemeinsames Ziel: Sie sollen regionale Entwicklung ermöglichen.

Oft bleibt jedoch offen, wie stark diese Mittel tatsächlich innerhalb der Region wirksam werden.

Der RegioCoin eröffnet einen anderen Weg.

Stiftungen, Unternehmen, Gemeinden oder Entwicklungsprogramme speisen Schweizer Franken in das System ein.
Diese Mittel erscheinen als RegioCoins innerhalb der Region und können bei teilnehmenden Betrieben eingelöst werden.
Landwirtschaftliche Betriebe, Hofläden, Verarbeitungsunternehmen, Gastronomiebetriebe, Kulturangebote oder regionale Dienstleister erhalten anschliessend eine Auszahlung in Schweizer Franken.

Aus Förderung entsteht Nachfrage.
Aus Nachfrage entsteht Umsatz.
Aus Umsatz entsteht regionale Wertschöpfung.


— Förderung entfaltet ihre Kraft dort, wo sie Teil wirtschaftlicher Bewegung wird.


Infrastruktur

Der RegioCoin ist kein Technologieprojekt.
Die technische Grundlage existiert bereits.
Basis bildet die Infrastruktur von ecoo, die seit mehreren Jahren produktiv im Einsatz steht.

Anwendungen wie der CSS Coin oder regionale Wallet-Systeme zeigen, dass digitale regionale Kreisläufe technisch und regulatorisch umsetzbar sind.

Die Architektur ist betriebsbereit.
Der Fokus liegt auf der regionalen Implementierung.

Regionen erhalten dadurch Zugang zu einer bestehenden Infrastruktur mit Wallet, Transaktionssystem, Reporting, Compliance und Auszahlung in Schweizer Franken.


— Die entscheidende Innovation liegt selten in der Technologie.
— Sie liegt im Zusammenspiel der Akteure.


Regionale Leistung wird wirtschaftlich lesbar

Der RegioCoin erzeugt mehr als Transaktionen.
Er macht sichtbar, wie sich Nachfrage innerhalb einer Region bewegt.
Er zeigt, welche Betriebe Kaufkraft anziehen, welche Wertschöpfungsachsen entstehen und welche Entwicklungsimpulse Wirkung entfalten.

In Verbindung mit AgriMetrix entsteht eine zusätzliche Ebene.

Leistungen rund um Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Ressourceneffizienz, regionale Verarbeitung, Tierwohl oder soziale Verantwortung werden sichtbar und vergleichbar.
Dadurch entsteht erstmals die Möglichkeit, regionale Leistung und regionale Nachfrage innerhalb derselben Infrastruktur zu betrachten.


— Was sichtbar wird, kann priorisiert werden.
— Was priorisiert wird, erhält Entwicklungskraft.


Von der Regionalität zur regionalen Intelligenz

Viele Regionen verfügen über starke Produzenten, engagierte Verwaltungen, aktive Stiftungen und innovative Unternehmen.
Häufig fehlen gemeinsame Instrumente, welche diese Kräfte miteinander verbinden.

Der RegioCoin schafft einen gemeinsamen Betrachtungsraum.

Er zeigt, wo Nachfrage entsteht.
Er zeigt, welche Leistungen besonders relevant sind.
Er zeigt, welche Fördermittel regionale Aktivität auslösen.
Er zeigt, welche Entwicklungsachsen sich verstärken.

Aus einzelnen Projekten entsteht ein lernendes System.


— Resiliente Regionen entstehen durch gemeinsame Orientierung.


Ein Beispiel

In der Region Sursee-Mittelland entsteht derzeit ein erster Anwendungsraum für den RegioCoin innerhalb von RARE.

Landwirtschaft, Verarbeitung, Gastronomie, Handel und regionale Entwicklung treffen hier auf engem Raum zusammen.
Die Voraussetzungen für regionale Kreisläufe sind vorhanden.

Der RegioCoin macht sichtbar, wie Kaufkraft durch diese Kreisläufe fliesst, welche Leistungen besondere Bedeutung für die Region besitzen und wo zusätzliche Entwicklungsimpulse entstehen können.

Sursee-Mittelland steht dabei stellvertretend für viele Regionen.

Die eigentliche Innovation liegt im übertragbaren Prinzip: Regionale Leistung, regionale Nachfrage und regionale Finanzierung werden innerhalb derselben Infrastruktur miteinander verbunden.

Ausblick

Der RegioCoin entwickelt sich schrittweise zu einer Infrastruktur regionaler Wertschöpfung.

Gemeinden können Entwicklungsprogramme abbilden.
Stiftungen können Fördermittel zielgerichteter einsetzen.
Unternehmen können regionale Verantwortung sichtbar machen.
Regionen können Leistungen stärken, die für ihre langfristige Entwicklungsfähigkeit relevant sind.

Innerhalb von RARE entsteht dadurch ein Kreislauf aus Leistung, Verständigung, Nachfrage und Finanzierung.

Regionalität wird damit mehr als Herkunft.
Sie wird zu einer wirtschaftlich lesbaren Beziehung zwischen Menschen, Betrieben und ihrem Lebensraum.


— Die Zukunft regionaler Entwicklung liegt weniger in zusätzlichen Programmen als in der Fähigkeit, vorhandene Leistungen miteinander zu verbinden.


Zurück zur Übersicht

Weitere Reallabore

Weiterlesen

Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)

Zurück zur Übersicht

Region

Europa

Erster regionaler Entwicklungsraum: Sursee-Mittelland, Schweiz

Spannungsfeld

Landwirtschaft findet auf dem Hof statt. Ihre Zukunft hängt von Beziehungen ab, die weit darüber hinausreichen. Verarbeitung, Markt, Finanzierung, Eigentum, Wissen und politische Rahmenbedingungen bestimmen mit, was auf einem Betrieb möglich wird.

RARE bearbeitet diese Zusammenhänge auf drei Ebenen: Betrieb – Region – System.

Status

Prozess und Methodik werden seit 2021 entwickelt. Seit 2026 wird RARE in Sursee-Mittelland implementiert. Parallel befinden sich weitere regionale Entwicklungsräume in Vorbereitung.

Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)

Ein Ordnungsraum für agrarökologische Entwicklung

Wer einen Hof übernimmt, übernimmt auch die Arbeit früherer Generationen. Böden wurden bewirtschaftet, Gebäude errichtet, Wissen aufgebaut und Beziehungen geschaffen. Eine neue Generation knüpft daran an und trifft Entscheidungen, die wiederum Jahrzehnte wirken können.

Das zeigt sich bei einer neuen Kultur besonders deutlich. Der Standort mag passen und das Wissen für den Anbau vorhanden sein. Für einen tragfähigen Betriebszweig braucht die Ernte auch Verarbeitung, Absatz und eine Finanzierung, die zur Aufbauzeit passt.


Die Zukunft eines Hofes entscheidet sich oft ausserhalb seines Hoftors.


RARE nimmt diese Beziehungen zum Ausgangspunkt. Der Name steht für Architektur resilienter Agrarregionen. RARE bringt Betriebe, Verarbeitung, Markt, Gemeinden, Finanzierung und weitere Beteiligte dort zusammen, wo ihre Entscheidungen voneinander abhängen.

Denn genau für diese Übergänge fehlt häufig der Raum. Der Hof organisiert den Anbau. Der Verarbeiter seine Anlagen und Aufträge. Die Gemeinde verfolgt ihre Aufgaben, Kapitalgebende ihre Kriterien. RARE hält die gemeinsamen Fragen im Prozess, bringt die nötigen Beteiligten zusammen und verfolgt sie über die verschiedenen Ebenen hinweg.


Die Zukunft einer Region entsteht aus der Qualität ihrer Beziehungen.


Agrarökologie als Arbeitsweise

RARE arbeitet agrarökologisch. Ausgangspunkt ist der Landwirtschaftsbetrieb als lebendiges System. Boden, Wasser, Biodiversität, Tiere, Menschen, Wissen und wirtschaftliche Tragfähigkeit gehören zusammen.

Dasselbe gilt für die Region. Vielfalt auf den Höfen braucht Verarbeitung und Absatz, Wissen muss zirkulieren können, Wasser folgt Landschaften und Investitionen brauchen Zeit. RARE verbindet deshalb ökologische Prozesse mit sozialen Beziehungen und wirtschaftlicher Entwicklung.

Entwicklung beginnt bei den Bedingungen vor Ort. Erfahrungen aus der Landwirtschaft treffen auf Wissen aus Beratung, Bildung und Forschung. Lösungen entstehen mit den Menschen, die sie später tragen.

Betrieb – Region – System

Eine Veränderung auf dem Hof kann eine Zusammenarbeit in der Region auslösen und Fragen an die übergeordneten Bedingungen stellen. RARE bearbeitet alle drei Ebenen im selben Zusammenhang.

Betrieb

Hier entstehen Lebensmittel, Rohstoffe und landwirtschaftliche Leistungen. Boden, Wasser, Biodiversität, Tierwohl, Arbeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit bilden die Grundlage.

Hier werden die Fragen konkret: Welche Kultur passt zum Standort? Wie lässt sich Wasser im Boden halten? Wie viel Arbeit kann der Betrieb tragen? Unter welchen Bedingungen kann eine nächste Generation übernehmen?

Der Betrieb ist Ausgangspunkt und Massstab der Entwicklung.

Region

Hier trifft Landwirtschaft auf Verarbeitung, Bündelung, Logistik, Handel, Gastronomie, Gemeinden und weitere Partner.

Wenn mehrere Höfe neue Kulturen anbauen, verändern sich die verfügbaren Mengen. Eine gemeinsame Verarbeitung kann wirtschaftlich werden. Neue Absatzwege können entstehen. Gemeinden können Infrastruktur oder regionale Versorgung in ihre Überlegungen einbeziehen.

Auch Wasser, Landschaft und Biodiversität folgen selten Betriebsgrenzen.


Die Region ist der Ort, an dem sich die Folgen vieler Entscheidungen begegnen.


System

Hier wirken Finanzierung, Versicherung, Förderung, Eigentumsverhältnisse, Forschung und Politik auf die Entwicklung von Betrieben und Regionen.

Eine mehrjährige Pflanzung braucht anderes Kapital als eine Verarbeitungsanlage. Wer Bäume auf gepachtetem Land pflanzt, braucht Planungssicherheit über viele Jahre. Landwirtschaftliche Leistungen für Boden, Wasser oder Biodiversität werfen die Frage auf, wie solche Leistungen anerkannt und finanziert werden.

Erfahrungen aus Betrieben und Regionen machen sichtbar, wo bestehende Instrumente tragen und wo ihre Ausgestaltung überprüft werden muss.

So wirkt die Entwicklung auch zurück: Veränderte Finanzierungsbedingungen, verlässlichere Abnahme oder längerfristige Nutzungsrechte können auf dem Hof neue Möglichkeiten eröffnen.

Eine gemeinsame Sprache

Die Beteiligten betrachten denselben Hof aus unterschiedlichen Verantwortungen. Die Betriebsleitung kennt Standort, Arbeit und Ertrag. Ein Verarbeiter braucht Mengen und Qualitäten. Eine Gemeinde beschäftigt sich mit Versorgung und Landschaft. Finanzierung und Versicherung beurteilen Entwicklung und Risiken.

AgriMetrix schafft dafür eine gemeinsame Grundlage. Die Methodik macht ökologische, soziale und ökonomische Leistungen der Landwirtschaft anhand von Kennzahlen nachvollziehbar.

Im Agrardialog werden diese Angaben mit den Erfahrungen und Interessen der Beteiligten verbunden. Es wird geklärt, was vorhanden ist, wo Abhängigkeiten entstehen, welche Entwicklung angestrebt wird und wer den nächsten Schritt übernehmen kann.


RARE ordnet. AgriMetrix beschreibt. Der Agrardialog verständigt.


Von der Leistung zur Wirkung

Eine Hecke zu pflanzen, Humus aufzubauen, Lernende auszubilden oder einen regionalen Absatzweg zu entwickeln ist eine Leistung. Welche Wirkung daraus entsteht, hängt von den Bedingungen ab, unter denen diese Leistung weiterwirken kann.

Dazwischen liegt die Entwicklungsfähigkeit eines Betriebs oder einer Region: die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, Beziehungen aufzubauen und die eigenen Grundlagen weiterzuentwickeln.

AgriMetrix macht Leistungen sichtbar. Im Agrardialog werden sie eingeordnet. RARE arbeitet an den Bedingungen, unter denen daraus Entwicklung entstehen kann.


Wer Wirkung verstehen will, muss die Bedingungen verstehen, aus denen Wirkung entsteht.


Reallabore: Entwicklung in der Praxis

RARE gewinnt sein Wissen aus realen Betrieben und Vorhaben.

Hof Schwand, Wyler’s Biohof und der Rüeggshuser Hof arbeiten an unterschiedlichen Formen vielfältiger Landwirtschaft, an Boden, Wasser und Agroforst. Dabei geht es immer auch um Arbeit, Einkommen und die langfristige Entwicklung der Betriebe.

Ursaat und naturKRAFT führen den Weg weiter in Verarbeitung und Markt. Neue Kulturen brauchen Anwendungen, Produkte und verlässliche Abnahmebeziehungen. Der RegioCoin betrachtet dieselbe Entwicklung von der Nachfrageseite und untersucht, wie regionale Kaufkraft stärker in regionale Kreisläufe gelangen kann.

Hof&Boden arbeitet dort, wo die Zukunft eines Betriebs gefährdet ist. Betriebsentwicklung, Nachfolge, Bodenrecht und Finanzierung treffen hier unmittelbar aufeinander.

Ein Lern- und Entwicklungsort in der Zentralschweiz soll Erfahrungen aus den Betrieben mit Beratung, Bildung und Forschung verbinden und für weitere Regionen nutzbar machen.

Die Reallabore bearbeiten unterschiedliche Stellen derselben Architektur. Erfahrungen aus einem Vorhaben können eine Frage in einem anderen lösen.

Kapital folgt der Entwicklung


Die Entwicklung bestimmt, welches Kapital sie braucht.


Eine Pflanzung erzeugt Jahre vor der vollen Ernte bereits Arbeit und Kosten. Eine Verarbeitungsanlage braucht ausreichende Mengen und Auslastung. Ein neuer Ansatz muss zunächst erprobt werden.

Öffentliche Förderung, philanthropisches Kapital, Darlehen und Beteiligungen können deshalb unterschiedliche Aufgaben übernehmen. RARE verbindet den Finanzierungsbedarf mit der Entwicklung, die damit ermöglicht werden soll.

AgriMetrix schafft dafür eine Leistungsgrundlage. Im Agrardialog wird sichtbar, wer welchen Beitrag tragen kann.

Sursee-Mittelland: die Architektur in einer Region erproben

Seit 2026 wird RARE in Sursee-Mittelland implementiert. AgriMetrix und Agrardialog werden zunächst entlang konkreter betrieblicher Fragen eingesetzt. Daraus entsteht die regionale Arbeit: Welche Anliegen teilen mehrere Höfe? Welche Partner werden gebraucht? Was kann gemeinsam aufgebaut werden? Welche Bedingungen erschweren die Entwicklung?

Der Prozess steht im Umfeld der Neuen Regionalpolitik. Landwirtschaftliche Leistungen, Markt, Wissen, Finanzierung und regionale Entwicklung werden dabei innerhalb desselben Bezugsrahmens betrachtet.

Sursee-Mittelland ist damit kein Modell, das andere Regionen kopieren sollen. Es ist ein Ort, an dem Prozess und Methodik unter realen Bedingungen weiterentwickelt werden.

Parallel werden weitere Regionen vorbereitet. Jede bringt ihre eigenen Böden, Betriebe, Märkte, Geschichten und Spannungsfelder mit.

Von Regionen lernen

RARE gibt diesen Regionen eine gemeinsame Architektur. Ihre Entwicklung bleibt regional.

Weitergegeben werden Methoden, Erfahrungen und die Bedingungen, unter denen ein Vorgehen funktioniert hat. Wiederholen sich dieselben Schwierigkeiten in mehreren Regionen, entsteht daraus eine gemeinsame Frage an Markt, Förderung, Finanzierung oder Politik.

So kann Erfahrung vom Hof in die Region und von dort ins System gelangen. Und veränderte Bedingungen können wieder neue Möglichkeiten auf dem Hof schaffen.


Resilienz entsteht regional. Lernen entsteht überregional.


Zurück zur Übersicht

Weitere Reallabore

Weiterlesen

Ursaat.ch

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Spannungsfeld

Saatgut bildet die Grundlage unserer Ernährung. Über Jahrtausende entstand eine grosse Vielfalt an Getreidesorten, angepasst an Landschaft, Klima und Kultur. Gleichzeitig hat die Industrialisierung der Landwirtschaft zu einer starken Konzentration auf wenige Hochleistungssorten geführt.

An dieser Schnittstelle entsteht ein Spannungsfeld. Sortenfeste Vielfalt verschwindet aus den Feldern, während Fragen nach Ernährung, Resilienz und Verträglichkeit zunehmen. Ursaat arbeitet an diesem Übergang und bringt ursprüngliche Sorten wieder zurück in den Kreislauf von Saatgut, Landwirtschaft und Ernährung.

Region

Schweiz

Status

Seit 2021 arbeitet Ursaat.ch am Aufbau eines lebendigen Saatgutkreislaufs. Ausgangspunkt war die Sicherstellung historischer Sorten wie Huron und Rotkorn. Seither werden diese vermehrt und schrittweise mit Markt und medizinischer Forschung verbunden.

Inzwischen entstehen aus dem Korn veredelte Lebensmittel wie Pasta und Sauerteiggebäck. Die Nachfrage nach sortenfestem Urgetreide und den daraus hergestellten Lebensmitteln wächst spürbar.

Saatgut ist Gemeingut

Ursaat.ch


— Die Zukunft der Landwirtschaft beginnt mit einem gesunden Samen.


Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist ein grosser Teil der genetischen Vielfalt unserer Kulturpflanzen verschwunden.
Besonders sichtbar wird dies beim Weizen.
Züchtungsprogramme haben Sorten hervorgebracht, die hohe Erträge liefern, technisch gut verarbeitbar sind und sich in industrielle Produktionssysteme einfügen.

Viele ältere Sorten sind in diesem Prozess aus den Feldern verschwunden.
Mit ihnen verschwand Wissen.

Und mit ihnen verschwand genetische Vielfalt.


— Was ist, verändert uns gleichermassen wie, was nicht (mehr) ist.


Weltweit existieren schätzungsweise über 50’000 Getreidesorten.
Heute prägen nur noch sehr wenige Hochleistungssorten unsere Ernährung.
Sie wurden auf Ertrag, Verarbeitungseigenschaften und Uniformität gezüchtet.
Auf Kosten von genetischer Vielfalt, Robustheit und Nährstoffdichte.

Das Vorhaben Ursaat.ch setzt hier an.
Ziel ist es, sortenfestes Saatgut zu sichern, zu vermehren und wieder zugänglich zu machen.
Alte Sorten sollen nicht nur gesammelt werden.
Sie sollen wieder angebaut, geerntet und gegessen werden.

Saatgut ist kein Archiv.
Saatgut ist eine Beziehung zum Lebendigen.


— Jede Sorte ist eine eigene Kultur.


Eine der Sorten, die im Zentrum von Ursaat.ch steht, ist der Huron-Weizen.
Er wird seit 1888 in Kanada gezüchtet.
Ziel der Züchtung war eine robuste Sorte, die in anspruchsvollen Klimazonen zuverlässig gedeihen kann.

Von Nordamerika aus gelangte der Huron Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa.
In der Schweiz gehörte er über Jahrzehnte zu den wichtigen Sommerweizensorten.

Besonders in Regionen mit kürzeren Vegetationsperioden oder schwierigeren Bedingungen erweist sich Huron als zuverlässig und anpassungsfähig.
Seine Backqualität gilt als hervorragend.
Und doch verschwand er.

Er war nicht schlecht.
Er war nur ökonomisch nicht mehr spannend.


— Der Markt fragt nach Ertrag.
— Das Leben nach Vielfalt.


Der Huron-Weizen trägt viele Eigenschaften, die heute selten geworden sind.

Beispielsweise ein langer Halm.
Während moderne Weizensorten oft nur noch 25 bis 30 Zentimeter hoch wachsen, können ursprüngliche Sorten Halmlängen von zwei Metern und mehr erreichen.
Diese Höhe ist kein Zufall.
Der lange Halm schützt die Pflanze besser vor Pilzbefall und hilft ihr, Wasser im Boden zu regulieren.
Dadurch können solche Pflanzen Trockenperioden stabiler überstehen.

Auch ihre Ähren unterscheiden sich.
Viele ursprüngliche Sorten tragen lange Grannen, die das Korn schützen und in der Evolution eine Rolle bei der Verbreitung der Samen spielen.
In modernen Sorten wurden diese Strukturen häufig reduziert oder ganz entfernt, um die maschinelle Ernte zu erleichtern.

Wer durch ein Feld mit alten Sorten geht, erkennt schnell einen weiteren Unterschied.
Das Feld lebt.
Zwischen den Halmen wachsen Kräuter und Blumen.
Insekten kehren zurück.
Der Boden wird durch eine vielfältigere Vegetation stabilisiert und genährt.


— Sortenfestes Saatgut folgt einer eigenen Ökonomie.


Ein kaum sichtbarer Mechanismus liegt im Wesen des Saatguts selbst.
Moderne Hybridsorten müssen jedes Jahr neu gekauft werden.
Landwirtschaftliche Betriebe können sie nicht selbst vermehren.
Dadurch entsteht für Saatgutunternehmen ein kontinuierlicher Markt.

Sortenfestes Saatgut funktioniert anders.
Ein Landwirt kauft die Sorte einmal.
Dann nie mehr.
Er kann sie danach selbst weiter vermehren.

Für die Sämerei bedeutet das, sie sieht den Kunden nur ein einziges Mal.
Die jahrelange Arbeit der Sortenerhaltung, der Sammlung, Vermehrung, Reinigung, Lagerung und Dokumentation wird nur einmal bezahlt.

Das erklärt auch, weshalb Saatgut alter Sorten teilweise teuer erscheint.
Eine kleine Menge Huron-Saatgut kostet im internationalen Handel beispielsweise rund 40 CHF für 100 Gramm.

Der Preis wirkt hoch.
Doch er spiegelt eine Realität.
Die Arbeit der Saatguterhalter wird nur einmal bezahlt.
Danach beginnt ein anderer Kreislauf.
Das Saatgut wird weitergegeben.

Es wird vermehrt.

Es wird Teil eines sich selbst erhaltenden Systems.


— Weizen ist nicht gleich Weizen. 


Neben agronomischen Eigenschaften rückt heute ein weiterer Aspekt in den Fokus.
Die biochemische Zusammensetzung des Weizens.

Der Gastroenterologe Professor Detlef Schuppan untersucht seit vielen Jahren die Ursachen von Weizenunverträglichkeiten.
Seine Forschung zeigt, dass Beschwerden nicht unmittelbar durch Gluten entstehen.
Sie entstehen durch Proteine.
Sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI).
Diese kommen in verschiedenen Weizensorten in unterschiedlicher Konzentration vor.

Historische Sorten weisen andere Proteinprofile auf als moderne Hochleistungssorten.
Dadurch werden sie von vielen Menschen als bekömmlicher erlebt.

Ursaat.ch versteht sich nicht als medizinisches Projekt.
Doch die Wiederentdeckung genetischer Vielfalt eröffnet neue Perspektiven für Landwirtschaft, Ernährung und Wissenschaft.


— Vom Korn bis zum Teller.


Ursaat.ch verfolgt einen einfachen Anspruch. 
Das ursprüngliche Korn soll unverfälscht auf dem Teller ankommen.
Dazu gehört nicht nur die Erhaltung und Vermehrung des Saatguts.
Dazu gehört auch eine sorgfältige Verarbeitung.
Aus dem vermehrten Getreide entstehen Mehl und Pasta aus Huron-Weizen und anderen historischen Sorten.

Sie tragen einen Geschmack, der lange aus unserer Ernährung verschwunden war.
Nussig.
Dicht.
Lebendig.


— Die Zukunft der Ernährung beginnt nicht im Labor.
— Sie beginnt im Korn.
— Und im Boden, der es trägt.


Produkte aus Ursaat-Getreide können bei Ortimo in Rapperswil SG bezogen werden.

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Weitere Reallabore

Weiterlesen

Auenhof

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Spannungsfeld

Zwischen agrarpolitischer Flächenlogik und realer betrieblicher Tragfähigkeit entscheidet sich, ob kleinstrukturierte Höfe verschwinden oder wieder handlungsfähig werden.

Region

Zürichsee (ZH), Schweiz

Status

2021-2022 zeitlich begrenzt umgesetzt und mit der Etablierung einer stabilen, bankfreien Finanzierungsstruktur abgeschlossen.

Auenhof

Reaktivierung eines landwirtschaftlichen Betriebs ausserhalb klassischer Finanzlogik

Ein Hof ohne Struktur

Der Auenhof war über Jahre kein offiziell anerkannter Landwirtschaftsbetrieb mehr.

Er war aus dem bäuerlichen Bodenrecht entlassen worden.
Land und Gebäude hatten ihre agrarische Zuordnung verloren.
Was blieb, war Substanz ohne Struktur.


— Struktur entscheidet über Zukunftsfähigkeit.


Der Hof existierte räumlich.
Institutionell war er entkoppelt.

Im agrarpolitischen Kontext galt ein Betrieb dieser Grösse als wirtschaftlich nicht tragfähig.
Unter zehn Hektaren gelten Höfe in der Schweiz gemeinhin als strukturell benachteiligt.

Banklogiken bewerten Skalierung, Sicherheiten und Standardisierbarkeit.

Der Auenhof erfüllte keine dieser Erwartungen.


— Was nicht ins Risikomodell passt, erhält keinen Kredit.


Eine klassische Bank hätte dieses Projekt nicht begleitet.
Nicht aus mangelndem Interesse.
Aus systemischer Logik.

Der Impuls

Die Initiative zur Reaktivierung ging von Marcus Pan aus.

Er erkannte das Potenzial des Standorts.
Landwirtschaftlich.
Ökologisch.
Gesellschaftlich.

Der Wille war vorhanden.
Die Struktur fehlte.

Die Herausforderung war nicht agronomisch.
Sie war finanziell und institutionell.

Hier begann die Übersetzungsarbeit.

Übersetzung in Finanzierbarkeit

Das als unmöglich geltende Vorhaben wurde in einen strukturierten Businessplan überführt.

Investitionsbedarf.
Zeitachsen.
Ertragsmodelle.
Risikoannahmen.
Alles wurde transparent gerechnet.
Langfristige Entwicklung ersetzte kurzfristige Renditeerwartung.


— Unmöglichkeit ist oft nur eine Frage der Struktur.


Investierende wurden angebunden, die bereit waren, Potenzial vor Standardisierung zu bewerten.
Kapital floss ausserhalb klassischer Banklogik.

Nicht spekulativ.
Strukturiert.

Diese Finanzierung war keine Lücke im System.
Sie war eine bewusste Entscheidung gegen lineare Risikobewertung.


— Banklogik bewertet Sicherheiten.
— Struktur bewertet Entwicklung.


Reaktivierung und Anerkennung

Mit der gesicherten Finanzierung wurde Land wieder aktiviert.
Gebäude erhielten ihre agrarische Funktion zurück.
Der Hof wurde erneut als offizieller Landwirtschaftsbetrieb anerkannt.

Damit ist die formale Struktur wieder hergestellt.

Der Auenhof ist wieder Teil der landwirtschaftlichen Ordnung.
Mit allen Rechten und Pflichten.


— Zugehörigkeit bedeutet Verantwortung.


Boden als Grundlage

Die Reaktivierung stellte den Boden ins Zentrum.

Flächen wurden nicht auf maximale Intensität ausgelegt, sondern auf langfristige Stabilität.
Humusaufbau, Diversität und resiliente Anbausysteme bildeten die Grundlage.

Biodiversität wurde als funktionale Infrastruktur verstanden.
Ertragssicherheit entstand aus Systemstabilität.


— Bodenqualität ist strategisches Kapital.


Die Landschaft gewann wieder agrarische Identität.
Der Betrieb gewann wieder Substanz.

Demonstrations- und Lernraum

Der Auenhof entwickelte sich nicht nur als Produktionsort.
Er wurde zu einem Lernraum.

Praxis wurde sichtbar gemacht.
Struktur wurde erklärbar gemacht.
Landwirtschaft wurde diskutierbar gemacht.


— Praxis erzeugt Glaubwürdigkeit.


Die Reaktivierung zeigte, dass kleine Betriebe strukturell tragfähig sein können, wenn Systemlogik vor Skalierungslogik gestellt wird.

Der Auenhof wurde zu einem Referenzraum.

Bodenorientierte Bewirtschaftung.
Strukturierte Finanzierungsmodelle.
Landwirtschaft im periurbanen Kontext.

Bedeutung im grösseren Kontext

Der Auenhof stellte keine isolierte Ausnahme dar.

Er stellte eine strukturelle Frage: Wie viele Betriebe scheitern nicht an Boden oder Motivation sondern an Finanzierungslogik?


— Risiko entsteht oft aus den Bewertungsmodellen selbst. 


Diese Reaktivierung beweist, dass Alternativen möglich sind.
Entromantisiert. 
Strukturell.

Abschluss

Der Prozess ist abgeschlossen.
Der Betrieb ist offiziell anerkannt.
Land und Gebäude sind wieder Teil der agrarischen Ordnung.

Der Auenhof steht wieder als funktionierender Landwirtschaftsbetrieb.

Kein Experiment.
Realität.


Kai Isemann

Ich wirke in lebendigen Systemen.
Nicht aus beobachtender Distanz, sondern von innen heraus.
Meine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird.
In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen.

Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich.
Es ist eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus.
Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein.
Es ist wahrgenommen im Geschehen. 

Ohne Schuldzuweisung.
Ohne Heilsversprechen.


ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT

Weitere Reallabore

Weiterlesen

Error: Response status is not success.