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Project Category: Verantwortung

Reallabore, in denen Entscheidungen reale Konsequenzen haben und nicht delegiert werden können. Hier wird Verantwortung getragen, nicht verwaltet.

BANKGESPRÄCH – Boden. Gesellschaft. Kapital.

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Region

Schweiz

Spannungsfeld

Ein Landwirtschaftsbetrieb verbindet Boden, Arbeit, Familie, Kapital, Risiko und Zukunft. Die Entscheidungen dazu entstehen an unterschiedlichen Orten: auf dem Hof, in einer Bank, bei einer Versicherung, in der Verarbeitung, in der Gastronomie oder beim Einkauf.

Ihre Folgen treffen sich auf derselben Fläche. BANKGESPRÄCH bringt die Beteiligten dorthin zurück.

Status

BANKGESPRÄCH befindet sich im Aufbau der ersten Staffel. Zwölf Gespräche führen an zehn Orte in drei Sprachregionen. Zwei Folgen kehren später an bereits besuchte Orte zurück.

Filme, Podcasts und Texte machen die Gespräche zugänglich. Vier öffentliche Bankgespräche führen ausgewählte Fragen mit Menschen aus den Regionen weiter.

BANKGESPRÄCH – Boden. Gesellschaft. Kapital.

Was trägt einen Hof?

Wenn ein Landwirt Bäume pflanzt, verändert er seinen Hof für viele Jahre. Er investiert Arbeit und Geld, bevor die zusätzlichen Ernten zum Einkommen beitragen. Wie beurteilt eine Bank diese Investition? Welche Risiken kann ein Ernteversicherer übernehmen? Was brauchen Verarbeitung und Gastronomie, um mit den Früchten arbeiten zu können? Und was ist den Menschen wichtig, die sie kaufen und essen?

Die Fragen gehören zusammen. Besprochen werden sie meist getrennt.

BANKGESPRÄCH bringt Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen auf einer Holzbank zusammen. Die Bank steht dort, wo ihre Entscheidungen sichtbar werden: auf einem Hof, an einer Quelle, in einem Agroforst, bei einem Verarbeitungsbetrieb, vor einer Versicherung oder einer Bank.

Sie betrachten denselben Ort. Und beginnen von dort aus zu sprechen.


Jede wirtschaftliche Entscheidung hat einen Ursprung.


Eine Finanzierung steht in einer Bilanz. Auf dem Hof kann sie darüber entscheiden, ob eine Pflanzung möglich wird. Ein versichertes Risiko erscheint in einer Police. In der Landschaft zeigt sich, ob Wasser zurückgehalten wird, ein Boden Trockenheit übersteht oder eine Ernte ausfällt.

Zahlen bleiben wichtig. BANKGESPRÄCH gibt ihnen einen Ort.

Die Bank reist.

Die doppelte Bedeutung des Namens gehört zum Format.

Banken gehören zu den Orten, an denen über Investitionen, Risiken und Entwicklung entschieden wird. BANKGESPRÄCH nimmt diese Fragen mit hinaus in die Landschaft. Auf eine einfache Holzbank.

Der Ort wechselt. Die Bank bleibt.

Mal steht sie zwischen jungen Bäumen. Mal an einer Quelle. Mal auf einem Hof, dessen Zukunft offen ist. Mal vor einem Unternehmen, das landwirtschaftliche Rohstoffe verarbeitet. Die Landschaft gibt dem Gespräch seinen Zusammenhang.

Damit verändert sich auch die Frage.

Aus «Wie hoch ist das Risiko?» wird: «Was geschieht hier, wenn es drei Monate kaum regnet?»

Aus «Wann rentiert sich die Investition?» wird: Wer trägt die Jahre zwischen Pflanzung und Ertrag?

Aus «Was kostet dieses Lebensmittel?» wird: «Was muss sein Preis alles tragen?»

Das Gespräch beginnt mit dem Sichtbaren.

Jede Folge beginnt am Ort. Ein Gang über den Betrieb, durch eine Pflanzung oder entlang eines Gewässers führt in die Frage hinein. Erst danach nimmt die Runde auf der Bank Platz.

Eine Gastgeberin führt durch das Gespräch. Zwei feste Gesprächspartner bringen Erfahrungen aus Landwirtschaft und Ökonomie ein. Der vierte Platz wechselt mit dem Ort und der Frage.

Dort kann eine Betriebsleiterin sitzen. Ein Ernteversicherer. Eine Bankerin. Ein Verarbeiter. Eine Gastronomin. Eine Person aus einer Gemeinde. Oder jemand, der im Hofladen einkauft.

Entscheidend ist der eigene Bezug zur Frage.

Es geht weniger darum, Positionen nebeneinanderzustellen. Interessant wird das Gespräch dort, wo sichtbar wird, was die Beteiligten voneinander brauchen. Wo eine Erwartung auf eine andere Wirklichkeit trifft. Wo eine Entscheidung für den einen Sicherheit schafft und für den anderen ein neues Risiko bedeutet.

Die Runde darf widersprechen. Sie darf etwas offenlassen.

Zwei Folgen kehren später an bereits besuchte Orte zurück. Dann interessiert, was aus einer Überlegung, einer Zusage oder einem nächsten Schritt geworden ist. Was hat sich bewährt? Was kam anders? Was ist noch immer ungelöst?


Verantwortung wird greifbar, sobald sie einen Ort bekommt.


Wer vor einer jungen Pflanzung steht, spricht anders über langfristige Finanzierung. Wer einen trockenen Boden in der Hand hält, spricht anders über Risiko. Wer sieht, welche Arbeit zwischen Ernte und Teller liegt, blickt anders auf einen Preis.

BANKGESPRÄCH schafft diesen gemeinsamen Bezugspunkt.

Zehn Orte. Drei Sprachregionen.

Die erste Staffel führt durch die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin.

Die Gespräche beginnen bei Fragen, die auf Landwirtschaftsbetrieben längst vorhanden sind: Trockenheit und Wasser. Die Jahre zwischen Investition und Ertrag. Ein Betrieb unter Druck. Verarbeitung und Absatz. Preis und Wert. Finanzierung. Ernteversicherung. Lernen auf einem Hof. Die Verantwortung einer Region für ihre landwirtschaftlichen Grundlagen.

Eine Quelle im Tessin erzählt dabei eine andere Geschichte als eine Pflanzung im Mittelland. Ein Verarbeitungsbetrieb in der Romandie schaut anders auf eine Ernte als der Betrieb, der sie produziert.

Diese Unterschiede gehören zur Schweiz.

Die Menschen sprechen in ihrer Sprache. Untertitel und übersetzte Fassungen öffnen die Gespräche über die Sprachgrenzen hinweg.

Anschauen. Zuhören. Weiterdenken.

Jedes Bankgespräch erscheint als Film von 30 bis 45 Minuten. Aus derselben Aufnahme entsteht eine fürs Zuhören bearbeitete Podcastfassung. Ein begleitender Text nimmt eine Frage aus dem Gespräch auf und führt sie weiter. Kurze Filmausschnitte öffnen den Zugang zur vollständigen Folge.

Die Kamera bleibt nahe an der Arbeit. Boden, Pflanzen, Hände, Tiere, Maschinen und Werkzeuge gehören zum Bild. Die Landschaft wird so gezeigt, wie sie am Drehtag ist. Wind darf hörbar sein. Eine Pause darf stehenbleiben.

BANKGESPRÄCH braucht keine Kulisse. Der Ort ist bereits da.

Vor Ort weiterreden.

Vier öffentliche Bankgespräche führen ausgewählte Fragen aus der Staffel weiter. Zwei finden in der Deutschschweiz statt, eines in der Romandie und eines im Tessin.

Menschen aus der Region kommen mit Beteiligten der Reihe ins Gespräch. Landwirtschaft trifft auf Nachbarschaft, Verarbeitung, Gastronomie, Gemeinden, Finanzierung, Versicherung und Menschen, die Lebensmittel kaufen und essen.

Die veröffentlichten Folgen bilden den Ausgangspunkt. Danach gehört das Gespräch dem Raum.

Welche Erfahrung fehlt noch? Wo wird eine Frage anders gesehen? Was könnte in dieser Region gemeinsam getragen werden?

So wird aus einer Filmreihe ein öffentlicher Agrardialog.

Warum Landwirtschaft?

Landwirtschaft gehört zu den wenigen Bereichen, die jeden Menschen mehrmals am Tag berühren. Über Lebensmittel. Über Wasser. Über Landschaft. Über Boden. Über Preise.

Der direkte Bezug dazu ist kleiner geworden.

Viele Menschen kennen Landwirtschaft aus dem Laden, aus Abstimmungen oder aus Medienberichten. Landwirtschaftsbetriebe begegnen Banken, Versicherungen, Politik oder Verarbeitung häufig erst dann, wenn eine konkrete Entscheidung ansteht.

Die Lebenswelten sind verbunden. Die Begegnungen bleiben selten.

BANKGESPRÄCH schafft einen Ort dazwischen.

Nicht um am Ende überall dieselbe Meinung zu haben. Sondern um besser zu verstehen, worüber entschieden wird, welche Folgen eine Entscheidung hat und welche Verantwortung bei wem liegt.

Auf einer Bank.

An einem konkreten Ort.

Mit Menschen, die etwas damit zu tun haben.

Boden. Gesellschaft. Kapital. Gemeinsam betrachtet entsteht daraus mehr als ein Landwirtschaftsbetrieb. Es entsteht die Frage, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen.

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RegioCoin

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Region

Schweiz

Spannungsfeld

Regionen erzeugen täglich Leistungen für Ernährung, Landschaft, Biodiversität, Versorgungssicherheit und Lebensqualität. Ein grosser Teil der Kaufkraft bewegt sich entlang anderer Wege. Zwischen regionaler Leistung und regionaler Nachfrage entsteht eine Lücke.

Der RegioCoin adressiert genau diese Schnittstelle und verbindet Leistung, Finanzierung und Konsum innerhalb eines gemeinsamen regionalen Kreislaufs.

Status

Der RegioCoin befindet sich 2026 in der Pilotphase. Die technische Infrastruktur ist bereits produktiv im Einsatz und basiert auf der bewährten ecoo-Plattform, welche unter anderem die Grundlage des CSS Coin bildet.

Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf der regionalen Implementierung innerhalb von RARE sowie auf ersten Reallaboren in der Schweiz.

RegioCoin

Wenn regionale Leistung regionale Kaufkraft bewegt

Regionen verfügen über mehr Vermögen, als ihre Bilanzen zeigen.

Fruchtbare Böden.

Unternehmerische Betriebe.

Verarbeitungsstrukturen.

Handwerk.

Wissen.

Landschaften.

Soziale Beziehungen.

Vertrauen.

Täglich entstehen daraus Leistungen, die den Lebensraum einer Region tragen.

Ein Teil dieser Leistungen wird vergütet.

Ein anderer Teil bleibt wirtschaftlich unsichtbar.

Parallel dazu verlässt Kaufkraft kontinuierlich den regionalen Raum.
Sie fliesst in globale Plattformen, überregionale Handelsstrukturen oder Finanzsysteme, deren Bezug zur Region gering ist.

Zwischen regionaler Leistung und regionaler Kaufkraft entsteht eine Lücke.


— Regionale Entwicklung beginnt dort, wo Leistung, Nachfrage und Finanzierung miteinander in Beziehung treten.


Der RegioCoin wurde entwickelt, um genau diesen Zusammenhang sichtbar und handlungsfähig zu machen.

Ein Instrument innerhalb von RARE

Der RegioCoin ist Teil von RARE (Architektur resilienter Agrarregionen).
RARE schafft einen gemeinsamen Ordnungsraum für Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Finanzierung, Verwaltung, Stiftungen und Zivilgesellschaft.

Innerhalb dieses Ordnungsraums entstehen drei grundlegende Fragen:

Welche Leistungen werden in einer Region erbracht?
Welche Leistungen sind für die Zukunft der Region besonders relevant?
Wie können diese Leistungen wirtschaftlich gestärkt werden?

AgriMetrix macht Leistungen sichtbar.
Der Agrardialog schafft Verständigung.
Der RegioCoin schafft wirtschaftliche Rückkopplung.
Er verbindet Leistung, Nachfrage und Finanzierung innerhalb eines gemeinsamen regionalen Kreislaufs.


— Messung schafft Orientierung.
— Entwicklung entsteht durch Rückkopplung.


Vom Förderfranken zur regionalen Nachfrage

Fördergelder, Sponsoringbeiträge oder Entwicklungsbudgets verfolgen meist ein gemeinsames Ziel: Sie sollen regionale Entwicklung ermöglichen.

Oft bleibt jedoch offen, wie stark diese Mittel tatsächlich innerhalb der Region wirksam werden.

Der RegioCoin eröffnet einen anderen Weg.

Stiftungen, Unternehmen, Gemeinden oder Entwicklungsprogramme speisen Schweizer Franken in das System ein.
Diese Mittel erscheinen als RegioCoins innerhalb der Region und können bei teilnehmenden Betrieben eingelöst werden.
Landwirtschaftliche Betriebe, Hofläden, Verarbeitungsunternehmen, Gastronomiebetriebe, Kulturangebote oder regionale Dienstleister erhalten anschliessend eine Auszahlung in Schweizer Franken.

Aus Förderung entsteht Nachfrage.
Aus Nachfrage entsteht Umsatz.
Aus Umsatz entsteht regionale Wertschöpfung.


— Förderung entfaltet ihre Kraft dort, wo sie Teil wirtschaftlicher Bewegung wird.


Infrastruktur

Der RegioCoin ist kein Technologieprojekt.
Die technische Grundlage existiert bereits.
Basis bildet die Infrastruktur von ecoo, die seit mehreren Jahren produktiv im Einsatz steht.

Anwendungen wie der CSS Coin oder regionale Wallet-Systeme zeigen, dass digitale regionale Kreisläufe technisch und regulatorisch umsetzbar sind.

Die Architektur ist betriebsbereit.
Der Fokus liegt auf der regionalen Implementierung.

Regionen erhalten dadurch Zugang zu einer bestehenden Infrastruktur mit Wallet, Transaktionssystem, Reporting, Compliance und Auszahlung in Schweizer Franken.


— Die entscheidende Innovation liegt selten in der Technologie.
— Sie liegt im Zusammenspiel der Akteure.


Regionale Leistung wird wirtschaftlich lesbar

Der RegioCoin erzeugt mehr als Transaktionen.
Er macht sichtbar, wie sich Nachfrage innerhalb einer Region bewegt.
Er zeigt, welche Betriebe Kaufkraft anziehen, welche Wertschöpfungsachsen entstehen und welche Entwicklungsimpulse Wirkung entfalten.

In Verbindung mit AgriMetrix entsteht eine zusätzliche Ebene.

Leistungen rund um Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Ressourceneffizienz, regionale Verarbeitung, Tierwohl oder soziale Verantwortung werden sichtbar und vergleichbar.
Dadurch entsteht erstmals die Möglichkeit, regionale Leistung und regionale Nachfrage innerhalb derselben Infrastruktur zu betrachten.


— Was sichtbar wird, kann priorisiert werden.
— Was priorisiert wird, erhält Entwicklungskraft.


Von der Regionalität zur regionalen Intelligenz

Viele Regionen verfügen über starke Produzenten, engagierte Verwaltungen, aktive Stiftungen und innovative Unternehmen.
Häufig fehlen gemeinsame Instrumente, welche diese Kräfte miteinander verbinden.

Der RegioCoin schafft einen gemeinsamen Betrachtungsraum.

Er zeigt, wo Nachfrage entsteht.
Er zeigt, welche Leistungen besonders relevant sind.
Er zeigt, welche Fördermittel regionale Aktivität auslösen.
Er zeigt, welche Entwicklungsachsen sich verstärken.

Aus einzelnen Projekten entsteht ein lernendes System.


— Resiliente Regionen entstehen durch gemeinsame Orientierung.


Ein Beispiel

In der Region Sursee-Mittelland entsteht derzeit ein erster Anwendungsraum für den RegioCoin innerhalb von RARE.

Landwirtschaft, Verarbeitung, Gastronomie, Handel und regionale Entwicklung treffen hier auf engem Raum zusammen.
Die Voraussetzungen für regionale Kreisläufe sind vorhanden.

Der RegioCoin macht sichtbar, wie Kaufkraft durch diese Kreisläufe fliesst, welche Leistungen besondere Bedeutung für die Region besitzen und wo zusätzliche Entwicklungsimpulse entstehen können.

Sursee-Mittelland steht dabei stellvertretend für viele Regionen.

Die eigentliche Innovation liegt im übertragbaren Prinzip: Regionale Leistung, regionale Nachfrage und regionale Finanzierung werden innerhalb derselben Infrastruktur miteinander verbunden.

Ausblick

Der RegioCoin entwickelt sich schrittweise zu einer Infrastruktur regionaler Wertschöpfung.

Gemeinden können Entwicklungsprogramme abbilden.
Stiftungen können Fördermittel zielgerichteter einsetzen.
Unternehmen können regionale Verantwortung sichtbar machen.
Regionen können Leistungen stärken, die für ihre langfristige Entwicklungsfähigkeit relevant sind.

Innerhalb von RARE entsteht dadurch ein Kreislauf aus Leistung, Verständigung, Nachfrage und Finanzierung.

Regionalität wird damit mehr als Herkunft.
Sie wird zu einer wirtschaftlich lesbaren Beziehung zwischen Menschen, Betrieben und ihrem Lebensraum.


— Die Zukunft regionaler Entwicklung liegt weniger in zusätzlichen Programmen als in der Fähigkeit, vorhandene Leistungen miteinander zu verbinden.


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Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)

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Region

Europa

Spannungsfeld

Landwirtschaftliche Regionen werden von vielen Akteuren geprägt, die am selben Raum arbeiten und unterschiedlichen Logiken folgen. Ein Betrieb entwickelt seinen Boden, während Absatz oder Verarbeitung fehlen. Förderprogramme unterstützen einzelne Massnahmen, während verbindende Strukturen kaum finanziert werden. Wirkungskapital sucht geeignete Vorhaben, während gute Projekte den Weg zur Finanzierung nicht finden.

Wissen, Kapital und Initiative sind häufig vorhanden. Was fehlt, sind die Verbindungen dazwischen. RARE arbeitet an diesen Übergängen. Der Denkraum schafft einen gemeinsamen Bezugsrahmen, in dem Leistungen sichtbar, Zusammenhänge verständlich und konkrete Entwicklungspfade erprobt werden können.

Status

RARE befindet sich 2026 in der Aufbau- und Erprobungsphase. Sursee-Mittelland bildet den ersten regionalen Entwicklungsraum. Im Umfeld der Neuen Regionalpolitik werden AgriMetrix und Agrardialog zunächst praktisch erprobt.

Parallel entwickelt sich das Netzwerk der Reallabore weiter. Die nächsten Schritte richten sich auf die Verbindung von betrieblicher Entwicklung, Markt, Wissen und Wirkungskapital sowie auf den Transfer in weitere Regionen. 

Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)

Ein Denkraum für die Entwicklungsfähigkeit von Landwirtschaft und Region

Ein Landwirtschaftsbetrieb kann vieles richtig machen und trotzdem an einer Schnittstelle scheitern, die er allein kaum beeinflussen kann.

Der Boden entwickelt sich gut, doch für neue Kulturen fehlt der Absatz. Eine Nachfolge wäre möglich, aber Eigentum, Finanzierung und Betriebskonzept finden nicht zusammen. Wirkungskapital sucht sinnvolle Projekte, während viele gute Vorhaben den Weg zur Finanzierung nicht finden.

Solche Situationen haben selten nur eine Ursache. Sie entstehen dort, wo Landwirtschaft, Markt, Finanzierung, Bildung, Wissenschaft und öffentliche Hand aufeinandertreffen.

Hier setzt RARE an.

RARE steht für Architektur resilienter Agrarregionen. Es ist ein Denk- und Ordnungsraum, in dem unterschiedliche Projekte, Menschen und Institutionen ihre Arbeit auf eine gemeinsame regionale Wirklichkeit beziehen können.

Die Fachlichkeit bleibt dort, wo sie hingehört. RARE verbindet die Beziehungen dazwischen.


Die Zukunft eines Hofes entscheidet sich oft ausserhalb seines Hoftors.


Betrieb, Region und System

Landwirtschaft beginnt beim Boden. Was auf einem Betrieb möglich wird, hängt aber auch von Verarbeitung, Absatz, Wissen, Arbeitskräften, Eigentumsverhältnissen, Finanzierung und politischen Rahmenbedingungen ab.
Umgekehrt wirken landwirtschaftliche Entscheidungen auf Wasserhaushalt, Landschaft, Biodiversität, Ernährung und regionale Wertschöpfung zurück. RARE betrachtet diese Beziehungen auf drei Ebenen:

Betrieb, Region und System.

Der Betrieb bleibt der konkrete Ausgangspunkt. Die Region ist der Raum, in dem Beziehungen sichtbar und gestaltbar werden. Auf der Systemebene stellt sich die Frage, welche Strukturen, Instrumente und Regeln Entwicklung erleichtern oder erschweren.

So kann ein Problem auf einem Hof als regionale Aufgabe erkennbar werden. Und eine regionale Erfahrung kann Hinweise darauf geben, wo sich Rahmenbedingungen verändern müssen.


RARE verbindet, was in der Praxis ohnehin zusammenwirkt.


Eine gemeinsame Sprache

Komplexe Zusammenarbeit braucht Verständigung.
Landwirtschaftsbetriebe sprechen über Ertrag, Boden und Arbeitsbelastung. Gemeinden über Regionalentwicklung. Stiftungen über Wirkung. Banken über Risiko und Tragfähigkeit. Unternehmen über Mengen, Qualität und Lieferfähigkeit.

Alle betrachten denselben Raum aus unterschiedlichen Perspektiven. Vereinfacht lässt sich die Architektur deshalb so lesen:

  • RARE ist der Denkraum.
  • AgriMetrix schafft die gemeinsame Sprache.

  • Der Agrardialog bringt diese Sprache ins Gespräch.

AgriMetrix macht ökologische, soziale und ökonomische Leistungen sichtbar. Der Agrardialog verbindet diese Daten mit Erfahrung und Kontext. So können unterschiedliche Akteure gemeinsam erkennen, wo eine Region steht, welche Spannungen bestehen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Man könnte AgriMetrix als eine Art agrarisches Esperanto verstehen. Die gemeinsame Sprache ersetzt die Fachsprachen nicht. Sie schafft eine Verständigungsbasis zwischen ihnen.


Gemeinsame Entwicklung braucht zunächst eine gemeinsame Sprache.


Reallabore

RARE entwickelt sich nicht am Schreibtisch, sondern aus realen Situationen. Die Reallabore bearbeiten unterschiedliche Ausschnitte desselben Zusammenhangs.

Auf Betrieben wie Hof Schwand, Wyler’s Biohof und dem Rüeggshuser Hof geht es um Boden, Wasser, Agroforst, vielfältige Produktionssysteme, betriebliche Tragfähigkeit, Generationenwechsel und neue Formen landwirtschaftlicher Nutzung.

Ursaat und naturKRAFT bearbeitet die Marktseite. Wenn vielfältigere Landschaften vielfältigere Rohstoffe hervorbringen, braucht es Verarbeitung, Produktentwicklung und verlässliche Absatzwege.

Die REGA LWS setzt dort an, wo Landwirtschaftsbetriebe ihre Zukunft zu verlieren drohen. Sie verbindet Früherkennung, Betriebsentwicklung, Bodenrecht, Finanzierung und Nachfolge.

Ein geplanter Lern- und Entwicklungsort in der Zentralschweiz verbindet Landwirtschaft mit Bildung, Forschung, Verarbeitung und regionaler Entwicklung. Wissen soll dort gemeinsam mit Betrieben und weiteren Partnern unter realen Bedingungen erprobt und angewendet werden.

3BL (Triple Bottom Line) schafft einen Rahmen, um ökologische, soziale und ökonomische Grundlagen gemeinsam in Entscheidungen einzubeziehen. Daraus entsteht auch eine Schnittstelle zu Wirkungskapital.

Der RegioCoin untersucht, wie regionale Kaufkraft, Nachfrage und landwirtschaftliche Leistungen stärker aufeinander bezogen werden können.

AGRIDEA, BFH-HAFL, BBZN und weitere Bildungs-, Forschungs- und Praxispartner öffnen den Raum für Wissensaustausch und gemeinsame Lernprozesse. Netzwerke wie CNAO (Coachingnetz Agrarökologie) helfen dabei, Erfahrungen über einzelne Projekte und Regionen hinaus zugänglich zu machen.

Jedes Reallabor besitzt einen eigenen Zweck. RARE fragt zusätzlich, was daraus für das Ganze gelernt werden kann.


Ein Reallabor bearbeitet einen konkreten Fall. RARE fragt, was dieser Fall für das Ganze lehrt.


Warum die Region?

Der einzelne Landwirtschaftsbetrieb ist für viele dieser Fragen zu klein. Die nationale Ebene ist für ihre konkrete Bearbeitung oft zu weit entfernt. Die Region liegt dazwischen.

Hier werden Warenströme greifbar. Betriebe, Verarbeiter, Gemeinden, Bildungsorte und Unternehmen können Beziehungen aufbauen. Kapital kann konkrete Vorhaben kennenlernen. Entscheidungen werden in ihren Folgen sichtbar.

Eine Region ist gross genug, um Kreisläufe zu bilden, und klein genug, damit Beziehungen tragfähig bleiben.
Deshalb ist sie für RARE die entscheidende Handlungsebene.

Entwicklung und Kapital verbinden

Eine resiliente Agrarregion braucht mehr als gute Projekte. Sie braucht die Fähigkeit, gute Projekte zu erkennen, miteinander zu verbinden und langfristig zu tragen.

Hier greifen AgriMetrix, Agrardialog und 3BL ineinander.
Leistungen werden sichtbar. Die regionale Wirklichkeit wird gemeinsam eingeordnet. Daraus entstehen konkrete Entwicklungsvorhaben.

Manche brauchen Wissen. Andere einen Marktpartner. Manche öffentliche Förderung oder philanthropisches Kapital. Andere ein Darlehen oder Eigenkapital.
Die Frage lautet deshalb nicht zuerst, wo Geld verfügbar ist. Die Frage lautet: Welche Entwicklung soll ermöglicht werden? Und welches Kapital passt zu ihr?


Kapital soll Entwicklung ermöglichen. Die Entwicklung bestimmt, welches Kapital sie braucht.


Sursee-Mittelland als erster Entwicklungsraum

In der Region Sursee-Mittelland wird die Architektur erstmals auf regionaler Ebene zusammengeführt.

Im Umfeld der Neuen Regionalpolitik werden AgriMetrix und Agrardialog zunächst entlang einzelner Betriebszweige erprobt. Landwirtschaftliche Leistungen werden sichtbar gemacht und mit der regionalen Realität verbunden.

Daraus folgt die eigentliche Entwicklungsarbeit: Wo braucht es Verarbeitung, Markt, Wissen oder Finanzierung? Welche bestehenden Projekte können verbunden werden? Wo fehlt ein Baustein?

Sursee-Mittelland ist damit keine Blaupause für andere Regionen. Es ist der erste Raum, in dem die einzelnen Teile als zusammenhängende Architektur erprobt werden.

Parallel entwickeln sich die weiteren Reallabore weiter. Ihre Erfahrungen fliessen zurück in RARE.

Lernen zwischen Regionen

Jede Agrarregion besitzt andere Böden, Betriebe, Märkte, Menschen und Geschichten.

RARE soll deshalb kein fertiges Modell verbreiten.

Übertragbar sind die Architektur, die gemeinsame Sprache und die Fähigkeit, Erfahrungen zu teilen. Die konkrete Entwicklung bleibt regional.

So kann mit der Zeit ein Netzwerk unterschiedlicher Agrarregionen entstehen. Was an einem Ort gelernt wird, wird für andere lesbar, ohne dass es kopiert werden muss.

Resilienz bedeutet dabei keinen fertigen Zustand. Eine resiliente Region kann Veränderungen wahrnehmen, ihre eigenen Ressourcen erkennen und auf neue Bedingungen reagieren.

Dafür braucht es gesunde Böden, wirtschaftlich tragfähige Betriebe, verlässliche Märkte, Wissen, handlungsfähige Institutionen und passendes Kapital.
RARE schafft den Raum, in dem diese Teile zueinander in Beziehung treten können.


Resilienz entsteht regional. Lernen passiert auf einer anderen Ebene.


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Ursaat.ch

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Spannungsfeld

Saatgut bildet die Grundlage unserer Ernährung. Über Jahrtausende entstand eine grosse Vielfalt an Getreidesorten, angepasst an Landschaft, Klima und Kultur. Gleichzeitig hat die Industrialisierung der Landwirtschaft zu einer starken Konzentration auf wenige Hochleistungssorten geführt.

An dieser Schnittstelle entsteht ein Spannungsfeld. Sortenfeste Vielfalt verschwindet aus den Feldern, während Fragen nach Ernährung, Resilienz und Verträglichkeit zunehmen. Ursaat arbeitet an diesem Übergang und bringt ursprüngliche Sorten wieder zurück in den Kreislauf von Saatgut, Landwirtschaft und Ernährung.

Region

Schweiz

Status

Seit 2021 arbeitet Ursaat.ch am Aufbau eines lebendigen Saatgutkreislaufs. Ausgangspunkt war die Sicherstellung historischer Sorten wie Huron und Rotkorn. Seither werden diese vermehrt und schrittweise mit Markt und medizinischer Forschung verbunden.

Inzwischen entstehen aus dem Korn veredelte Lebensmittel wie Pasta und Sauerteiggebäck. Die Nachfrage nach sortenfestem Urgetreide und den daraus hergestellten Lebensmitteln wächst spürbar.

Saatgut ist Gemeingut

Ursaat.ch


— Die Zukunft der Landwirtschaft beginnt mit einem gesunden Samen.


Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist ein grosser Teil der genetischen Vielfalt unserer Kulturpflanzen verschwunden.
Besonders sichtbar wird dies beim Weizen.
Züchtungsprogramme haben Sorten hervorgebracht, die hohe Erträge liefern, technisch gut verarbeitbar sind und sich in industrielle Produktionssysteme einfügen.

Viele ältere Sorten sind in diesem Prozess aus den Feldern verschwunden.
Mit ihnen verschwand Wissen.

Und mit ihnen verschwand genetische Vielfalt.


— Was ist, verändert uns gleichermassen wie, was nicht (mehr) ist.


Weltweit existieren schätzungsweise über 50’000 Getreidesorten.
Heute prägen nur noch sehr wenige Hochleistungssorten unsere Ernährung.
Sie wurden auf Ertrag, Verarbeitungseigenschaften und Uniformität gezüchtet.
Auf Kosten von genetischer Vielfalt, Robustheit und Nährstoffdichte.

Das Vorhaben Ursaat.ch setzt hier an.
Ziel ist es, sortenfestes Saatgut zu sichern, zu vermehren und wieder zugänglich zu machen.
Alte Sorten sollen nicht nur gesammelt werden.
Sie sollen wieder angebaut, geerntet und gegessen werden.

Saatgut ist kein Archiv.
Saatgut ist eine Beziehung zum Lebendigen.


— Jede Sorte ist eine eigene Kultur.


Eine der Sorten, die im Zentrum von Ursaat.ch steht, ist der Huron-Weizen.
Er wird seit 1888 in Kanada gezüchtet.
Ziel der Züchtung war eine robuste Sorte, die in anspruchsvollen Klimazonen zuverlässig gedeihen kann.

Von Nordamerika aus gelangte der Huron Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa.
In der Schweiz gehörte er über Jahrzehnte zu den wichtigen Sommerweizensorten.

Besonders in Regionen mit kürzeren Vegetationsperioden oder schwierigeren Bedingungen erweist sich Huron als zuverlässig und anpassungsfähig.
Seine Backqualität gilt als hervorragend.
Und doch verschwand er.

Er war nicht schlecht.
Er war nur ökonomisch nicht mehr spannend.


— Der Markt fragt nach Ertrag.
— Das Leben nach Vielfalt.


Der Huron-Weizen trägt viele Eigenschaften, die heute selten geworden sind.

Beispielsweise ein langer Halm.
Während moderne Weizensorten oft nur noch 25 bis 30 Zentimeter hoch wachsen, können ursprüngliche Sorten Halmlängen von zwei Metern und mehr erreichen.
Diese Höhe ist kein Zufall.
Der lange Halm schützt die Pflanze besser vor Pilzbefall und hilft ihr, Wasser im Boden zu regulieren.
Dadurch können solche Pflanzen Trockenperioden stabiler überstehen.

Auch ihre Ähren unterscheiden sich.
Viele ursprüngliche Sorten tragen lange Grannen, die das Korn schützen und in der Evolution eine Rolle bei der Verbreitung der Samen spielen.
In modernen Sorten wurden diese Strukturen häufig reduziert oder ganz entfernt, um die maschinelle Ernte zu erleichtern.

Wer durch ein Feld mit alten Sorten geht, erkennt schnell einen weiteren Unterschied.
Das Feld lebt.
Zwischen den Halmen wachsen Kräuter und Blumen.
Insekten kehren zurück.
Der Boden wird durch eine vielfältigere Vegetation stabilisiert und genährt.


— Sortenfestes Saatgut folgt einer eigenen Ökonomie.


Ein kaum sichtbarer Mechanismus liegt im Wesen des Saatguts selbst.
Moderne Hybridsorten müssen jedes Jahr neu gekauft werden.
Landwirtschaftliche Betriebe können sie nicht selbst vermehren.
Dadurch entsteht für Saatgutunternehmen ein kontinuierlicher Markt.

Sortenfestes Saatgut funktioniert anders.
Ein Landwirt kauft die Sorte einmal.
Dann nie mehr.
Er kann sie danach selbst weiter vermehren.

Für die Sämerei bedeutet das, sie sieht den Kunden nur ein einziges Mal.
Die jahrelange Arbeit der Sortenerhaltung, der Sammlung, Vermehrung, Reinigung, Lagerung und Dokumentation wird nur einmal bezahlt.

Das erklärt auch, weshalb Saatgut alter Sorten teilweise teuer erscheint.
Eine kleine Menge Huron-Saatgut kostet im internationalen Handel beispielsweise rund 40 CHF für 100 Gramm.

Der Preis wirkt hoch.
Doch er spiegelt eine Realität.
Die Arbeit der Saatguterhalter wird nur einmal bezahlt.
Danach beginnt ein anderer Kreislauf.
Das Saatgut wird weitergegeben.

Es wird vermehrt.

Es wird Teil eines sich selbst erhaltenden Systems.


— Weizen ist nicht gleich Weizen. 


Neben agronomischen Eigenschaften rückt heute ein weiterer Aspekt in den Fokus.
Die biochemische Zusammensetzung des Weizens.

Der Gastroenterologe Professor Detlef Schuppan untersucht seit vielen Jahren die Ursachen von Weizenunverträglichkeiten.
Seine Forschung zeigt, dass Beschwerden nicht unmittelbar durch Gluten entstehen.
Sie entstehen durch Proteine.
Sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI).
Diese kommen in verschiedenen Weizensorten in unterschiedlicher Konzentration vor.

Historische Sorten weisen andere Proteinprofile auf als moderne Hochleistungssorten.
Dadurch werden sie von vielen Menschen als bekömmlicher erlebt.

Ursaat.ch versteht sich nicht als medizinisches Projekt.
Doch die Wiederentdeckung genetischer Vielfalt eröffnet neue Perspektiven für Landwirtschaft, Ernährung und Wissenschaft.


— Vom Korn bis zum Teller.


Ursaat.ch verfolgt einen einfachen Anspruch. 
Das ursprüngliche Korn soll unverfälscht auf dem Teller ankommen.
Dazu gehört nicht nur die Erhaltung und Vermehrung des Saatguts.
Dazu gehört auch eine sorgfältige Verarbeitung.
Aus dem vermehrten Getreide entstehen Mehl und Pasta aus Huron-Weizen und anderen historischen Sorten.

Sie tragen einen Geschmack, der lange aus unserer Ernährung verschwunden war.
Nussig.
Dicht.
Lebendig.


— Die Zukunft der Ernährung beginnt nicht im Labor.
— Sie beginnt im Korn.
— Und im Boden, der es trägt.


Produkte aus Ursaat-Getreide können bei Ortimo in Rapperswil SG bezogen werden.

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Auenhof

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Spannungsfeld

Zwischen agrarpolitischer Flächenlogik und realer betrieblicher Tragfähigkeit entscheidet sich, ob kleinstrukturierte Höfe verschwinden oder wieder handlungsfähig werden.

Region

Zürichsee (ZH), Schweiz

Status

2021-2022 zeitlich begrenzt umgesetzt und mit der Etablierung einer stabilen, bankfreien Finanzierungsstruktur abgeschlossen.

Auenhof

Reaktivierung eines landwirtschaftlichen Betriebs ausserhalb klassischer Finanzlogik

Ein Hof ohne Struktur

Der Auenhof war über Jahre kein offiziell anerkannter Landwirtschaftsbetrieb mehr.

Er war aus dem bäuerlichen Bodenrecht entlassen worden.
Land und Gebäude hatten ihre agrarische Zuordnung verloren.
Was blieb, war Substanz ohne Struktur.


— Struktur entscheidet über Zukunftsfähigkeit.


Der Hof existierte räumlich.
Institutionell war er entkoppelt.

Im agrarpolitischen Kontext galt ein Betrieb dieser Grösse als wirtschaftlich nicht tragfähig.
Unter zehn Hektaren gelten Höfe in der Schweiz gemeinhin als strukturell benachteiligt.

Banklogiken bewerten Skalierung, Sicherheiten und Standardisierbarkeit.

Der Auenhof erfüllte keine dieser Erwartungen.


— Was nicht ins Risikomodell passt, erhält keinen Kredit.


Eine klassische Bank hätte dieses Projekt nicht begleitet.
Nicht aus mangelndem Interesse.
Aus systemischer Logik.

Der Impuls

Die Initiative zur Reaktivierung ging von Marcus Pan aus.

Er erkannte das Potenzial des Standorts.
Landwirtschaftlich.
Ökologisch.
Gesellschaftlich.

Der Wille war vorhanden.
Die Struktur fehlte.

Die Herausforderung war nicht agronomisch.
Sie war finanziell und institutionell.

Hier begann die Übersetzungsarbeit.

Übersetzung in Finanzierbarkeit

Das als unmöglich geltende Vorhaben wurde in einen strukturierten Businessplan überführt.

Investitionsbedarf.
Zeitachsen.
Ertragsmodelle.
Risikoannahmen.
Alles wurde transparent gerechnet.
Langfristige Entwicklung ersetzte kurzfristige Renditeerwartung.


— Unmöglichkeit ist oft nur eine Frage der Struktur.


Investierende wurden angebunden, die bereit waren, Potenzial vor Standardisierung zu bewerten.
Kapital floss ausserhalb klassischer Banklogik.

Nicht spekulativ.
Strukturiert.

Diese Finanzierung war keine Lücke im System.
Sie war eine bewusste Entscheidung gegen lineare Risikobewertung.


— Banklogik bewertet Sicherheiten.
— Struktur bewertet Entwicklung.


Reaktivierung und Anerkennung

Mit der gesicherten Finanzierung wurde Land wieder aktiviert.
Gebäude erhielten ihre agrarische Funktion zurück.
Der Hof wurde erneut als offizieller Landwirtschaftsbetrieb anerkannt.

Damit ist die formale Struktur wieder hergestellt.

Der Auenhof ist wieder Teil der landwirtschaftlichen Ordnung.
Mit allen Rechten und Pflichten.


— Zugehörigkeit bedeutet Verantwortung.


Boden als Grundlage

Die Reaktivierung stellte den Boden ins Zentrum.

Flächen wurden nicht auf maximale Intensität ausgelegt, sondern auf langfristige Stabilität.
Humusaufbau, Diversität und resiliente Anbausysteme bildeten die Grundlage.

Biodiversität wurde als funktionale Infrastruktur verstanden.
Ertragssicherheit entstand aus Systemstabilität.


— Bodenqualität ist strategisches Kapital.


Die Landschaft gewann wieder agrarische Identität.
Der Betrieb gewann wieder Substanz.

Demonstrations- und Lernraum

Der Auenhof entwickelte sich nicht nur als Produktionsort.
Er wurde zu einem Lernraum.

Praxis wurde sichtbar gemacht.
Struktur wurde erklärbar gemacht.
Landwirtschaft wurde diskutierbar gemacht.


— Praxis erzeugt Glaubwürdigkeit.


Die Reaktivierung zeigte, dass kleine Betriebe strukturell tragfähig sein können, wenn Systemlogik vor Skalierungslogik gestellt wird.

Der Auenhof wurde zu einem Referenzraum.

Bodenorientierte Bewirtschaftung.
Strukturierte Finanzierungsmodelle.
Landwirtschaft im periurbanen Kontext.

Bedeutung im grösseren Kontext

Der Auenhof stellte keine isolierte Ausnahme dar.

Er stellte eine strukturelle Frage: Wie viele Betriebe scheitern nicht an Boden oder Motivation sondern an Finanzierungslogik?


— Risiko entsteht oft aus den Bewertungsmodellen selbst. 


Diese Reaktivierung beweist, dass Alternativen möglich sind.
Entromantisiert. 
Strukturell.

Abschluss

Der Prozess ist abgeschlossen.
Der Betrieb ist offiziell anerkannt.
Land und Gebäude sind wieder Teil der agrarischen Ordnung.

Der Auenhof steht wieder als funktionierender Landwirtschaftsbetrieb.

Kein Experiment.
Realität.


Kai Isemann

Ich wirke in lebendigen Systemen.
Nicht aus beobachtender Distanz, sondern von innen heraus.
Meine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird.
In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen.

Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich.
Es ist eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus.
Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein.
Es ist wahrgenommen im Geschehen. 

Ohne Schuldzuweisung.
Ohne Heilsversprechen.


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