Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)
Region
Europa
Erster regionaler Entwicklungsraum: Sursee-Mittelland, Schweiz
Spannungsfeld
Landwirtschaft soll Böden beleben, Vielfalt erhalten und wirtschaftlich tragen. Viele Bedingungen dafür werden ausserhalb der Betriebe gesetzt. An den Schnittstellen zu Markt, Finanzierung, Forschung und öffentlicher Hand entstehen Brüche. Es fehlt eine gemeinsame Sprache, um Leistungen, Erwartungen und Verantwortung aufeinander zu beziehen.
RARE bearbeitet diese Zusammenhänge auf drei Ebenen: Betrieb – Region – System.
Status
Prozess und Methodik werden seit 2021 entwickelt. Seit 2025 sind sie in Erprobung, seit 2026 in Anwendung. Im Reallabor Sursee-Mittelland werden betriebliche Entwicklung, regionale Wertschöpfung und Rahmenbedingungen aufeinander abgestimmt. Die Erfahrungen fliessen in die Weiterentwicklung und die Vorbereitung weiterer Regionen ein.

Architektur resilienter Agrarregionen (RARE)
Ein Ordnungsraum für agrarökologische Entwicklung
Ein Betrieb möchte neue Kulturen anbauen. Der Verarbeiter braucht gesicherte Mengen, bevor er Kapazitäten schafft. Die Finanzierung verlangt absehbare Erträge, während die ersten Jahre dem Aufbau dienen. Alle haben nachvollziehbare Gründe. Doch ihre Bedingungen passen kaum zusammen. An solchen Schnittstellen setzt RARE an.
RARE steht für Architektur resilienter Agrarregionen. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass zwischen Landwirtschaft, Markt, Finanzierung und öffentlicher Hand immer wieder Brüche entstehen. Wissen und Erfahrung liegen verteilt. Die Beteiligten arbeiten mit unterschiedlichen Begriffen und Massstäben.
Was fehlt, ist eine gemeinsame Sprache, um zu verstehen, was die eigene Entscheidung für andere ermöglicht oder verhindert. RARE arbeitet mit dem, was da ist. Es ordnet Wissen, Instrumente und Beziehungen und macht sichtbar, wo sie ineinandergreifen müssten.
Wer von der Landwirtschaft Veränderung erwartet, trägt Verantwortung für die Bedingungen, unter denen sie möglich wird.
Agrarökologie bildet die Basis dieses Prozesses. Sie betrachtet einen Betrieb aus seinen ökologischen Zusammenhängen heraus und bezieht die Menschen sowie die wirtschaftlichen Bedingungen ein.
Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt und Vielfalt gehören ebenso dazu wie das Wissen der Bewirtschaftenden, ihre Arbeitsbelastung und ihr Einkommen. Eine Entwicklung muss an diesem konkreten Ort tragen können. Die Betriebsleitenden bestimmen diese Entwicklung mit.
RARE arbeitet dafür auf drei miteinander verbundenen Ebenen: Betrieb, Region und System.
Auf dem Betrieb wird sichtbar, was eine Veränderung verlangt. Welche Kulturen passen zum Standort? Wer übernimmt die zusätzliche Arbeit? Wie wird die Zeit bis zum ersten verlässlichen Ertrag überbrückt? Die Erfahrungen der Betriebsleitenden und die Leistungen ihres Betriebs bilden den Ausgangspunkt. Hier zeigt sich auch, wo eine gut gemeinte Anforderung an der täglichen Wirklichkeit vorbeigeht.
In der Region treffen diese Möglichkeiten auf Verarbeitung, Logistik, Handel und Vertrieb. Mehrere Betriebe können Mengen bündeln, eine Anlage gemeinsam nutzen oder mit der Gastronomie neue Anwendungen erschliessen. Gemeinden bringen Fragen der Versorgung und der Landschaftsentwicklung ein. Aus einer betrieblichen Absicht kann so ein gemeinsames Vorhaben werden. Dabei wird konkret, wer welchen Beitrag übernimmt und welche Wertschöpfung vor Ort bleibt.
Auf der Ebene des Systems geht es um die Bedingungen solcher Vorhaben. Um Finanzierungsdauer und Versicherung, Förderkriterien und politische Vorgaben, aber auch um die Fragen, denen die Forschung nachgeht. Erfahrungen aus den Betrieben und Regionen zeigen, welche Regeln Entwicklung ermöglichen und wo Anpassungen nötig werden. Umgekehrt lässt sich im Betrieb prüfen, was eine veränderte Bedingung tatsächlich bewirkt. Eine Region wird belastbarer, wenn diese Ebenen zusammenwirken.
AgriMetrix schafft die gemeinsame Grundlage für diese Arbeit. Die Methodik beschreibt ökologische, soziale und regionalökonomische Leistungen sowie Entwicklungsbedarfe. Wie diese Leistungen einzuordnen sind, hängt vom Standort, den Betriebszweigen und der Entwicklungsphase ab. So können Betriebsleitung, Abnehmer und Finanzierende über dieselbe Ausgangslage sprechen, auch wenn sie unterschiedliche Entscheidungen zu treffen haben.
Im Agrardialog besprechen die Beteiligten, was diese Ausgangslage für sie bedeutet. Eine Abnahmezusage kann Voraussetzung für eine Investition sein. Die Finanzierung hängt womöglich davon ab, wie die Risiken verteilt werden. Solche Abhängigkeiten werden offengelegt. Die Beteiligten klären, wer welchen Beitrag übernehmen kann, und vereinbaren die nächsten Schritte.
Im Reallabor in Sursee-Mittelland wird dieser Prozess angewendet. Betriebliche Vorhaben werden mit regionalen Möglichkeiten und den dafür nötigen Rahmenbedingungen zusammengebracht. Zum Prozess gehört die Prüfung, was sich durch die Zusammenarbeit verändert und welche Hindernisse bestehen bleiben. Forschende können Annahmen prüfen und herausarbeiten, unter welchen Bedingungen sich Erfahrungen auf andere Regionen übertragen lassen.
Die Zeit, die ein Boden braucht, muss in der Finanzierung Platz haben.
Für die Philanthropie liegt hier eine Aufgabe in der frühen Entwicklung. Verständigung, Erprobung und gemeinsames Lernen brauchen Mittel, bevor ein Vorhaben wirtschaftlich trägt.
Die Finanzwelt kann daran mitarbeiten, Laufzeiten und Risikoverteilung an der tatsächlichen Entwicklung auszurichten. Wissenschaft erhält Zugang zu Fragen, die aus der Praxis entstehen und deren Bearbeitung wieder in Entscheidungen einfliesst.









