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Schlagwort: Sprache

Ökonomie als Erzählung

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Ökonomie als Erzählung

Jede Rechnung erzählt eine Geschichte.

Ökonomie gilt häufig als Inbegriff der Sachlichkeit.

Kennzahlen.
Modelle.
Renditen.
Risiken.

Sie vermitteln den Eindruck einer objektiven Beschreibung der Wirklichkeit.

Doch jede ökonomische Entscheidung beginnt lange vor der ersten Zahl.
Sie beginnt mit einer Antwort auf eine einfache Frage: Was zählt?

Erst danach entstehen Kennzahlen.
Bewertungen.
Investitionen.
Politische Programme.
Unternehmerische Entscheidungen.

Jede ökonomische Rechnung erzählt deshalb eine Geschichte.
Sie macht sichtbar, was Aufmerksamkeit erhält.
Sie bestimmt, welche Leistungen Anerkennung finden.
Sie prägt, welche Entwicklungen als Fortschritt gelten.


— Jede Ökonomie entsteht aus den Wertsetzungen, auf denen sie aufbaut.


Märkte reagieren auf Erwartungen.
Kapital folgt Zukunftsbildern.
Förderprogramme entstehen aus politischen Prioritäten.

Was als wertvoll beschrieben wird, wird zum Gegenstand von Investitionen.
Was sprachlos bleibt, verliert an Bedeutung.

Deshalb verändert jede neue Erzählung auch wirtschaftliches Handeln.


— Kapital folgt den Geschichten, die Zukunft glaubwürdig machen.


Lange Zeit standen Produktivität, Effizienz und Wachstum im Mittelpunkt ökonomischer Erzählungen.
Sie haben Wohlstand geschaffen und Innovation ermöglicht.

Zur selben Zeit entstanden neue Fragen, deren Tragweite heute sichtbar wird: Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, regionale Versorgung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Resilienz.

Diese Entwicklungen verlangen nach einer erweiterten ökonomischen Sprache.
Eine Sprache, die Leistungen sichtbar macht, welche bislang kaum Teil ökonomischer Entscheidungen waren.


— Was beschrieben wird, kann entwickelt werden.


Deshalb gewinnen neue Formen der Bewertung an Bedeutung.
Reallabore, Wirkungsanalysen und regionale Entwicklungsprozesse eröffnen Räume, in denen ökologische, soziale und wirtschaftliche Leistungen gemeinsam betrachtet werden.
Aus einzelnen Kennzahlen entsteht ein Gesamtbild.

Ökonomie wird dadurch differenzierter.
Sie verliert nichts an Präzision.
Sie gewinnt an Orientierung.


— Neue Wertschöpfung beginnt mit einer neuen Beschreibung von Wert.


Diese Veränderung betrifft weit mehr als Unternehmen.
Sie betrifft Regionen, Stiftungen, öffentliche Institutionen und private Vermögende gleichermassen.

Wer Kapital lenkt, gestaltet Erzählungen.
Wer Fördermittel vergibt, setzt Prioritäten.
Wer Investitionen verantwortet, entscheidet mit darüber, welche Zukunft wirtschaftlich möglich wird.

Ökonomie ist daher weit mehr als die Verwaltung von Geld.
Sie beschreibt, welche Leistungen eine Gesellschaft trägt.
Sie entscheidet, welche Entwicklungen wachsen können.
Und sie schafft den Rahmen, in dem Verantwortung wirtschaftlich wirksam wird.

Eine neue Ökonomie beginnt nicht mit einer neuen Formel.
Sie beginnt mit einer anderen Geschichte darüber, was Wert hat.


Kai Isemann

Über fünfzehn Jahre internationale Finanzwirtschaft und unternehmerische Erfahrung prägen meine Arbeit.
Heute kuratiere ich Denk- und Entwicklungsräume an den Schnittstellen von Landwirtschaft, Gesellschaft und Kapital.
Hier entstehen Reallabore, Dialogräume und Impulse, die Zusammenhänge sichtbar machen und Orientierung in komplexen Situationen schaffen.
Entwicklung beginnt dort, wo unterschiedliche Wirklichkeiten eine gemeinsame Sprache finden.


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