Wenn Bewusstsein gefährlich wird
Themenbereiche
Bewusstsein gilt als Fortschritt.
Als Voraussetzung für Einsicht.
Als Beginn von Verantwortung.
Mehr Bewusstsein verspricht bessere Entscheidungen.
Mehr Reflexion.
Mehr Kontrolle über das eigene Handeln.
Diese Erwartung ist weit verbreitet.
Und sie ist nur teilweise richtig.
— Bewusstsein ist kein Schutzraum.
Bewusstsein macht sichtbar, was zuvor getragen hat, ohne benannt zu werden.
Es legt Spannungen offen.
Widersprüche.
Unvereinbarkeiten.
Was lange funktionierte, beginnt zu reiben.
Nicht, weil es falsch wird.
Weil es gesehen wird.
Bewusstsein verändert Beziehungen.
Zu Aufgaben.
Zu Rollen.
Zu Erwartungen.
Was einmal selbstverständlich war, wird fraglich.
Was als normal galt, verliert seine Unschuld.
Das kann entlastend sein.
Und es kann gefährlich werden.
— Bewusstsein verschiebt den Ort der Verantwortung.
Gefährlich wird Bewusstsein dort, wo es keine passenden Räume findet.
Wo Wahrnehmung wächst, ohne dass Handlungsspielräume folgen.
Wo Menschen sehen, was nicht mehr trägt.
Aber nicht entscheiden dürfen.
Hier kippt Bewusstsein.
Es wird zur Last.
Zur inneren Spannung.
Zur stillen Entfremdung.
In vielen Systemen ist genau das zu beobachten.
Reflexion wird gefördert.
Achtsamkeit eingefordert.
Selbstverantwortung betont.
Gleichzeitig bleiben Strukturen starr.
Rollen unverändert.
Entscheidungen zentralisiert.
Bewusstsein wächst.
Gestaltung nicht.
— Bewusstsein ohne Handlung erzeugt Erschöpfung.
Wer sieht, aber nichts bewegen kann, lernt, sich innerlich zurückzuziehen.
Nicht aus Gleichgültigkeit.
Aus Selbstschutz.
Bewusstsein wird dann nicht zur Ressource, sondern zum Risiko.
Für den Einzelnen.
Und für das System.
Es zeigt sich eine andere Dynamik dort, wo Wahrnehmung und Entscheidung nicht voneinander getrennt sind.
Wo das, was erkannt wird, nicht folgenlos bleibt.
Wo Spannungen nicht beruhigt, sondern gehalten werden.
Nicht alles wird gelöst.
Aber nichts bleibt folgenlos.
— Bewusstsein braucht Anschluss.
Gefährlich ist nicht das Bewusstsein.
Gefährlich ist sein Alleinlassen.
Ohne Räume.
Ohne Verantwortung.
Ohne reale Entscheidungsmöglichkeiten.
Bewusstsein verlangt nach Ordnung.
Nicht nach Beruhigung.
Wenn Bewusstsein ernst genommen wird, verändert sich Arbeit.
Nicht schneller.
Ehrlicher.
Nicht reibungslos.
Tragfähig.
Bewusstsein wird dort wirksam, wo es nicht nur gesehen, sondern gehalten wird.
In Beziehungen.
In Rollen.
In Entscheidungen.
Alles andere bleibt innerlich.
Und wirkt trotzdem.
Ich wirke in lebendigen Systemen.
Nicht aus beobachtender Distanz, sondern von innen heraus.
Meine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird.
In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen.
Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich.
Es ist eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus.
Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein.
Es ist wahrgenommen im Geschehen.
Ohne Schuldzuweisung.
Ohne Heilsversprechen.
Weitere Impulse aus der Randzone