Ökonomie als Erzählung
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Ich schreibe nicht, um zu sagen. Ich schreibe, um zu übersetzen. Nicht, weil mir das immer gelingt. Sondern weil es die Richtung ist, an der ich mich ausrichte.
Viele Texte behaupten. Sie formulieren Positionen. Sie vertreten Meinungen. Sie wollen überzeugen. Das ist nicht der Raum, den ich suche.
Was mich interessiert, entsteht selten im Kopf. Es entsteht im Dazwischen. Zwischen Menschen. Zwischen Spannungen. Zwischen dem, was gesagt werden darf, und dem, was gespürt wird, und noch keinen Ort hat.
Ich verstehe mich dabei nicht als Urheber dieser Gedanken. Mehr als jemand, der sie aufnimmt.
Manche nennen das Intuition. Andere Wahrnehmung. Manche würden sagen: Projektion. Mir ist das weniger wichtig als die Frage, ob etwas in Resonanz gerät.
Was mich beschäftigt, taucht immer wieder an ähnlichen Stellen auf. In Gesprächen, die stocken. In Organisationen, die müde werden. In Systemen, die spüren, dass sie sich selbst überholen.
Ich versuche, diese Spannungen nicht vorschnell zu glätten. Nicht aus Methode. Sondern aus Respekt vor dem Raum, in dem sie entstehen.
Wer zu früh spricht, nimmt dem Ungesagten die Möglichkeit, sich zu zeigen. Wer zu schnell erklärt, macht etwas handhabbar, das vielleicht erst gehalten werden müsste.
Übersetzen heisst für mich nicht vereinfachen. Es heisst, etwas so zu sagen, dass es seine Schärfe behält, ohne unnötig zu verletzen.
Dafür braucht es Nähe. Und gleichzeitig die Bereitschaft, sich selbst nicht in den Vordergrund zu stellen.
Ich arbeite dort, wo es reibt. In Projekten. In Regionen. In Prozessen, die noch keine Sprache haben und vielleicht auch keine wollen.
Erst wenn etwas lange genug durch mich hindurchgegangen ist, findet es Form. Nicht als Wahrheit. Sondern als Angebot. Ein Angebot an jene, die etwas Ähnliches wahrnehmen, aber noch keinen Ausdruck dafür gefunden haben.
Vielleicht ist das keine Rolle, sondern eine Haltung. Eine, die immer wieder überprüft werden muss. Die verloren gehen kann. Und neu gesucht werden muss.
Nicht Autor. Nicht Kommentator. Nicht Kritiker. Sondern der Versuch, Resonanz zu ermöglichen. Ein Raum, der offen bleiben will, für das, was sich noch nicht festlegen lässt.
Kai Isemann wirkt in lebendigen Systemen. Nicht aus Distanz. Von innen heraus. Seine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird. In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen. Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich, sondern eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus. Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein, sondern wahrgenommen im Geschehen. Ohne Schuldzuweisung. Ohne Heilsversprechen.
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