Nähe ist kein Risiko
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Distanz gilt als professionell. Nähe als gefährlich. Wer zu nah dran ist, gilt als befangen. Wer betroffen ist, als nicht urteilsfähig. Wer mitwirkt, als nicht objektiv.
Diese Unterscheidung ist tief verankert. In Organisationen. In Wissenschaft. In Beratung. In Führung.
Sie suggeriert, dass Erkenntnis dort entsteht, wo man nicht involviert ist.
Ich halte das für eine Verwechslung.
Distanz schützt. Aber sie erkennt wenig. Nähe hingegen ist riskant. Nicht, weil sie trübt, sondern weil sie berührt.
Wer beteiligt ist, kann sich nicht entlasten. Nicht hinter Rollen. Nicht hinter Begriffen. Nicht hinter Modellen.
Nähe zwingt zur Verantwortung. Nicht moralisch. Praktisch.
Sie macht sichtbar, wo Entscheidungen wirklich wirken. Wo Sprache nicht mehr reicht. Wo Handlungen nicht delegiert werden können.
Viele Systeme organisieren sich bewusst auf Distanz. Nicht aus Bosheit. Sondern aus Selbstschutz.
Nähe destabilisiert. Sie macht Widersprüche spürbar. Sie erzeugt Reibung.
Und genau deshalb ist sie erkenntnisfähig.
Ich schreibe nicht über Systeme, um sie zu analysieren. Ich schreibe aus ihnen heraus. Nicht, weil das bequemer wäre. Sondern weil Erkenntnis ohne Beteiligung oft folgenlos bleibt.
Nähe ist kein Risiko. Sie ist eine Zumutung. Und vielleicht die einzige Form von Professionalität, die Verantwortung nicht ausspart.
Kai Isemann wirkt in lebendigen Systemen. Nicht aus Distanz. Von innen heraus. Seine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird. In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen. Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich, sondern eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus. Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein, sondern wahrgenommen im Geschehen. Ohne Schuldzuweisung. Ohne Heilsversprechen.
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