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eco-val: Gemeinwohlleistungen sichtbar und finanzierbar machen

Themenbereiche

Details

Projektlaufzeit

seit 2025

Region

Weltweit

Ort

Luxemburg

Auftrag

Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft in Luxemburg zur internationalen Skalierung von AgriMetrix. Überführung der Methodik ins Gemeinschaftseigentum, Entwicklung eines offenen Standards für Nachhaltigkeits- und Gemeinwohlleistungen sowie Förderung ihrer Honorierung durch Politik, Wirtschaft und Finanzwelt.

Seilschaft

Sebastian Bauer
Sascha Dähn
Mathias Forster
Christian Hiß
Sebastiaan Huisman
Kai Isemann
Peter Jürges
Karl-Heinz Krudewig
Martin Kunisch
Manuel Maas
Fide Marten
Jonas Rohloff
Stephan Rudolph
Martin Schunerits-Grantis
Volker Schwarz
Eric Waibel

Projektpartner

eco-val: Gemeinwohlleistungen sichtbar und finanzierbar machen

Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, dann sehe ich ein stetiges Zusammenfliessen von Ideen, Menschen und Strukturen, die alle ein Ziel verfolgen: den wahren Wert unserer Landwirtschaft und Ernährungssysteme sichtbar zu machen. eco-val S.A. SIS in Luxemburg ist das Kondensat dieser Energien, ein Ort, an dem Vorarbeiten aus Deutschland, der Schweiz und Luxemburg zusammenkommen und eine völlig neue Qualität entfalten.

Der Ausgangspunkt liegt in der Regionalwert-Leistungsrechnung, die Christian Hiß mit der Regionalwert AG Freiburg und später der Regionalwert Leistungen GmbH initiiert hat. Sie entstand aus der einfachen, aber grundlegenden Frage: Warum werden die Leistungen, die Landwirtschaft für Boden, Wasser, Klima und Gesellschaft erbringt, in keiner Bilanz sichtbar? Warum werden Schäden eingepreist, Leistungen aber nicht? Aus dieser Frage wuchs ein Instrument, das heute über 400 Indikatoren umfasst und bereits in mehr als 1’000 Betrieben zur Anwendung kam.

Seit 2025 nutzen auch Verwaltungen und Verbände in der Schweiz und Liechtenstein AgriMetrix – wie die Methode inzwischen heisst – als Steuerungsinstrument für ihre Agrarpolitik. In Deutschland arbeiten Kommunen, Ernährungsunternehmen und Verbände damit, Pionierbetriebe bilanzieren ihre Gemeinwohlleistungen, und internationale Anpassungen für Länder wie Spanien, Italien oder Brasilien sind in Arbeit. Das zeigt: Das Instrument ist nicht nur theoretisch tragfähig, sondern praktisch erprobt und anschlussfähig.

Mit eco-val S.A. SIS geben wir dieser Arbeit nun eine neue Dimension. Luxemburg ist der Standort, weil hier Finanz- und Politikzentrum Europas aufeinandertreffen, weil das Rechtssystem Sozialunternehmen aktiv fördert und weil die Wege kurz sind. eco-val wird als Société d’Impact Sociétal (SIS) gegründet, in Verantwortungseigentum, mit der klaren Verpflichtung, Gewinne ins Gemeinwohl zurückzuführen. Die AgriMetrix-Methodik wird vom Privat- ins Gemeinschaftseigentum überführt, bewusst als Open Source angelegt, sodass keine Interessengruppe sie verzerren kann.

eco-val ist zugleich das Kondensat verschiedener Energien: der Entwicklung von AgriMetrix, der Arbeiten von EVITY, der Vorleistungen einzelner Teammitglieder über die letzten zehn Jahre sowie intensiver Bemühungen um Fördermittel und Investitionen. Diese Energien werden bei Gründung als immaterielle Assets eingebracht, im Wissen, dass 1+1+1 mehr ergibt als die Summe der Teile. 

Das Team von eco-val vereint Expertise aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Finanzwelt, Technologie und Zivilgesellschaft. Diese Vielfalt schafft die Grundlage, um komplexe Systeme ganzheitlich zu verstehen und Lösungen zu entwickeln, die Wirkung entfalten, von der agrarischen Praxis bis zur internationalen Finanzarchitektur.

Erfahrene Fachpersonen aus Forschung, Unternehmensführung, Politikberatung und nachhaltiger Wirtschaft bringen ihre Perspektiven zusammen, um die Methode weiterzuentwickeln, Datenstrukturen zu sichern und die Honorierung von Gemeinwohlleistungen in Märkten und Politik zu verankern. Dieses interdisziplinäre Fundament gibt eco-val die Stärke, Brücken zu bauen, zwischen Landwirtschaft und Finanzwelt, zwischen lokaler Praxis und internationaler Steuerung.

Warum nicht Carbon Credits?

Carbon Credits gelten vielen als der Königsweg, um Klimaschutz mit Märkten zu verbinden. Doch in Wahrheit sind sie nicht zu Ende gedacht. Sie reduzieren ökologische Leistungen auf CO₂-Bilanzen und blenden soziale, regionale und langfristige Dimensionen aus. Böden, Wasserhaushalt, Biodiversität, faire Arbeitsbedingungen oder regionale Wertschöpfung tauchen in diesen Modellen kaum auf. Häufig dienen Carbon Credits eher dazu, bestehende Geschäftsmodelle zu legitimieren, statt sie grundlegend zu verändern.

eco-val S.A. SIS setzt hier einen Kontrapunkt. Wir beschränken uns nicht auf Kompensationslogik, sondern entwickeln Impact Credits, die Natur, Klima, Wasser, soziale Leistungen und regionale Stabilität gemeinsam erfassen. Damit entsteht ein Instrument, das Gemeinwohlleistungen nicht auf einen einzigen Indikator verengt, sondern ihre Vielfalt sichtbar und handelbar macht. So wird aus einer einseitigen Klimarechnung ein ganzheitlicher Bewertungs- und Steuerungsrahmen für Gesellschaft und Märkte.

Konkrete Modelle der Honorierung

Dass dies nicht Theorie bleibt, zeigen konkrete Beispiele. Neumarkter Lammsbräu (D) setzt AgriMetrix ein und zahlt jährlich ein Prozent des Umsatzes als Gemeinwohlprämie an mehr als 180 Biolandwirte. Die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz (D) honoriert Leistungen für Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. In Liechtenstein läuft seit 2025 das Projekt Klimawirksame Landwirtschaft, in dem Höfe ihre Leistungen in CO₂-Speicherung, Humusaufbau und Biodiversität erfassen. In Wädenswil entsteht mit der RegioWert AG Zimmerberg ein Modell für regionale Transformation, das Bürgerkapital und öffentliche Mittel bündelt, dem Bundesauftrag Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung folgend.

Zudem entwickelt sich mit der Initiative RegioCoin ein digitales Zahlungsmittel, das regionale Wertschöpfungsketten stärkt und Landwirten eine zusätzliche Möglichkeit eröffnet, für ihre Gemeinwohlleistungen entlohnt zu werden. Damit schliesst sich der Kreis zwischen Produktion, Konsum und Finanzierung im regionalen Raum.

All diese Projekte zeigen: Die Methodik funktioniert, die Honorierung folgt und sie wirkt.

Perspektive und Relevanz

eco-val sieht seine Aufgabe darin, diese Erfahrungen zu systematisieren, zu verstetigen und international auszurollen. Unser Ziel ist es, einen anerkannten Standard für die Bewertung von Gemeinwohlleistungen zu etablieren, der von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft genutzt wird. Wir entwickeln ein Steuerungselement, das die territoriale Resilienz europäischer Länder erfasst und Vergleichbarkeit schafft. Wir re-investieren Teile unserer Gewinne direkt in Impact Reward Systeme, Bodenfruchtbarkeitsfonds oder den Kauf von Impact-Zertifikaten.

Für Stiftungen, Förderinstitutionen und Finanzakteure eröffnet eco-val damit eine neue Möglichkeit: Mittel können gezielt in messbare Gemeinwohlleistungen gelenkt werden, mit klarer Nachvollziehbarkeit der Wirkung, überprüfbarer Datenbasis und international anschlussfähigen Standards. eco-val verbindet so die Welt der Finanzierung mit der realen Leistung von Betrieben und Regionen – transparent, belastbar und zukunftsorientiert.

So entsteht eine Bewegung, die über Landwirtschaft hinausweist. eco-val ist ein Sozialunternehmen, aber mehr noch. eco-val ist eine Plattform, ein Katalysator, ein Baustein für eine Ökonomie, die dem Leben dient.

Wer sich in diesen Raum einbringen möchte – ideell, mit Netzwerken oder mit ökonomischer Kraft – ist herzlich eingeladen, diese Bewegung mitzugestalten.


Kai Isemann

Mein Wahrnehmen folgt einer unkonventionellen kognitiven Architektur, die Muster früh erkennt und Zwischenräume ernst nimmt. Dieser Blick hat mich viele Jahre durch die Welt der Grossfinanz getragen. Dort wurde er zum Brennglas und ich begriff, wo Geld entsteht, wie es sich bewegt und wen es zurücklässt. Eine Einsicht, zugleich präzise und schmerzhaft.

Heute verbinde ich dieses Begreifen mit der Arbeit im Lebendigen. Die Bewirtschaftung eines syntropischen Agroforsts gibt meinen Analysen und Projekten Boden. Die Triple Bottom Line Methodik hält sie im Gleichgewicht von Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft, damit Entwicklung dort entsteht, wo gesundes Leben sie trägt.