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Spannungsfeld

Zwischen agrarpolitischer Flächenlogik und realer betrieblicher Tragfähigkeit entscheidet sich, ob kleinstrukturierte Höfe verschwinden oder wieder handlungsfähig werden.

Region

Zürichsee (ZH)

Status

2021–2022 zeitlich begrenzt umgesetzt und mit der Etablierung einer stabilen, bankfreien Finanzierungsstruktur abgeschlossen.

Auenhof

Ein Hof, der zeigt, wie Verantwortung, Gestaltung und Finanzierung wieder zusammenfinden können.


— Nicht jeder Hof verschwindet leise.
— Manche kehren zurück.
— Und verändern dabei den Massstab.


Der Auenhof liegt auf einer Geländeterrasse oberhalb des Zürichsees, im Gebiet Gamsten bei Feldbach. Historisch ein landwirtschaftlicher Betrieb, war seine Nutzung über Jahre faktisch aufgegeben. Das Wohnhaus wurde abparzelliert, die Flächen lagen brach. Ein Bild, das für viele kleine Hofstellen im periurbanen Raum typisch geworden ist.

Was andernorts den Übergang in exklusive Wohnnutzung markiert, wurde hier zum Ausgangspunkt einer anderen Entwicklung. Der Auenhof wurde nicht reaktiviert, um Landwirtschaft zu inszenieren, sondern um sie wieder real, rechtlich tragfähig und ökonomisch ernst genommen zu verankern.

Heute ist der Auenhof ein funktionierender landwirtschaftlicher Betrieb. Mit Bodenbindung. Mit Bildungsauftrag. Und mit einer klaren Gestaltungslogik.


— Rückkehr beginnt mit Verantwortung.
— Mit der Bereitschaft, sie zu tragen.


Kleinstruktur als bewusste Entscheidung

Der Auenhof wird auf rund drei Hektaren bewirtschaftet. In der gängigen agrarpolitischen Logik gilt diese Grösse als nicht überlebensfähig. Die Annahme, wirtschaftliche Tragfähigkeit beginne erst ab zehn Hektaren, hat in den letzten Jahrzehnten zur Aufgabe zahlreicher Betriebe geführt. Gebäude wurden aus dem bäuerlichen Bodenrecht entlassen, Flächen verpachtet, Boden in eine reine Kapitalanlage überführt.

Der Auenhof widerspricht dieser Logik nicht argumentativ, sondern praktisch. Möglich wurde dies unter anderem durch den Flächencode 725 des Bundesamts für Landwirtschaft, der artenreiche Permakulturflächen mit hohem Anteil an Spezialkulturen anerkennt und sie auf die Standardarbeitskraft anrechenbar macht.

So wird sichtbar, was in der Flächenlogik oft unsichtbar bleibt. Dass Vielfalt, Gestaltung und Intensität andere Formen von Tragfähigkeit erzeugen können als reine Grösse.


— Nicht jeder Betrieb braucht mehr Raum.
— Manche brauchen bessere Gestaltung.


Permakultur als Betriebslogik

Die Bewirtschaftung des Auenhofs folgt konsequent permakulturellen Prinzipien. Jedes Element ist mehrfach funktional eingebettet, jedes System auf Regeneration ausgerichtet. Produktion, Biodiversität, Wasserhaushalt und Bodenaufbau werden nicht getrennt betrachtet, sondern gemeinsam gestaltet.

Der Betrieb entstand ohne klassische landwirtschaftliche Ausbildung, ohne Bankfinanzierung und ohne Skalierungslogik. Tragend war nicht Renditeerwartung, sondern ein Zusammenspiel aus Gestaltungskompetenz, solidarischem Kapital und der Bereitschaft, Verantwortung langfristig zu übernehmen.

Der Hof funktioniert nicht isoliert, sondern eingebettet in Beziehungen, Wissenstransfer und Direktvermarktung. Wirtschaftliche Tragfähigkeit entsteht hier nicht trotz, sondern durch diese Einbettung.


— Ertrag ist nicht nur, was verkauft wird.
— Ertrag ist, was trägt und bleibt.


Lernen als integraler Bestandteil

Der Auenhof ist zugleich Lern- und Demonstrationsbetrieb der down to earth Akademie für Permakultur-Gestaltung. Jährlich kommen Menschen auf den Hof, um nicht nur Techniken kennenzulernen, sondern Haltungen. Lernen ist hier keine Zusatzfunktion, sondern Teil der Betriebslogik.

Wissen entsteht im Tun. Verantwortung wird nicht erklärt, sondern erlebt. Der Hof wirkt damit über seine Fläche hinaus. Nicht durch Skalierung, sondern durch Weitergabe.

Meine eigene Permakultur-Ausbildung begann an diesem Ort. Aus dem Lernen wurde Mitwirken. Ab 2022 begleitete ich den Auenhof bei der Strukturierung der Finanzierung des Hofkaufs, insbesondere bei der Übersetzung einer gestalterischen Vision in ökonomisch und rechtlich tragfähige Formen.


— Übersetzung ist Teil von Verantwortung.
— Mitten im Prozess.


Kai Isemann

Ich wirke in lebendigen Systemen.
Nicht aus beobachtender Distanz, sondern von innen heraus.
Meine Impulse entstehen dort, wo Verantwortung tatsächlich getragen wird.
In Beziehungen, in Organisationen, in Übergängen.

Schreiben ist dabei keine Tätigkeit für sich.
Es ist eine Form der Übersetzung aus dem Mitwirken heraus.
Was hier sichtbar wird, ist nicht gedacht im Nachhinein.
Es ist wahrgenommen im Geschehen. 

Ohne Schuldzuweisung.
Ohne Heilsversprechen.


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